Seit Jahrhunderten dominiert die Sichtweise eines gewissen Gerhard Mercator die Weltkarte. Die Folge: Die Flächenverhältnisse verzerren unser aller Weltbild. Auch das vom Schorschla. Afrika ist zu klein, Grönland zu groß. „Equal Earth“ will das nun korrigieren und die Sicht auf unseren Globus gerechter machen.
Der Geograph und Kartograf Gerhard Mercator (1512 – 1594) hat das erste Kapitel geschrieben: Seit 1569 dient seine Projektion der Erde allen Seefahrern. Geradlinigkeit als Kursangabe, den Kompass fest in der Hand. Die Flächenverhältnisse einzelner Länder waren bei diesen Karten eher nebensächlich. Afrika wurde kurzerhand eingeschrumpft, Grönland entsprechend aufgewölbt. Geometrische Ungerechtigkeiten, die sich fest in unserem Bewusstsein verankert haben, spätestens seitdem wir unseren ersten Globus zur Firmung geschenkt bekommen haben und später den legendären „Diercke Weltatlas“ im Erdkundeunterricht analysieren durften/mussten.
Mercator war kein böser Absichtstäter, eher ein pragmatischer Navigator: Gerade Linien waren der sichere Kurs, Winkel und Breiten wurden zur Karte der Zuversicht. Aber die Realität ist eben eine fast runde Erdkugel, die man nie ganz flachdrücken kann, ohne dass ganze Landstriche nachhaltig verzerrt werden.
An dieser Stelle kommt „Equal Earth“ ins Spiel – eine Karte, die Flächen möglichst gerecht verteilt. Vertreter von 164 Staaten stimmten vergangene Woche für „Correct the map“. Die UN tut sich schwer mit dem Wort „radikal“, doch die Praxis klingt pragmatischer: Bildung, Medien und Politik bekommen eine gerechtere Referenzinstanz.
Die Karte vergrößert Afrika nicht als Politikum, sondern gibt ihm die räumliche Würdigung, die es schon immer verdiente. Die Afrikanische Union sah lange, wie Verzerrung Lernwege beeinflusst. „Equal Earth“ ist deshalb kein modischer Reflex auf politische Strömungen, sondern eine Frage der Proportionen.
Worauf es ankommt, ist der Blickwechsel: Karten erzählen nicht die Welt, sie erzählen, wie wir sie sehen (möchten). Zeit für ein neues Weltbild bedeutet also nicht, die Kugel zu kippen, sondern die Linse zu wechseln – von der Nordkälte zur globalen Wärme der Größenordnung. Vielleicht hilft eine kleine Pointe: Wenn Grönland endlich in der richtigen Relation zu Afrika steht, verliert vielleicht auch Donald Trump das Interesse an der überdimensionalen Eiskugel. „Equal Earth“ ist kein Verrat an der Geografie, sondern eine Befreiung von der alten Legende.
Am Ende bleibt: Wir brauchen keine neue Erde, nur ehrlichere Projektionen. Die Zeit für ein neues Weltbild ist gekommen – mit einem leichten Augenzwinkern, das sagt: Wir sind alle auf demselben Planeten, nur die Perspektiven haben heute eine ehrliche, angenehmere Darstellung.

