Restaurierung der Ausstattung
Im Jahr 2012 stand die ehemalige Abteikirche St. Michael vor einer enormen Herausforderung: Akute Einsturzgefahr machte ihre Schließung unumgänglich und leitete eine der umfangreichsten Restaurierungskampagnen in der Geschichte des Bauwerks ein. Nun steht ihre Wiedereröffnung kurz bevor. In einer mehrteiligen Reihe blicken wir auf die wichtigsten Etappen zurück.
Die Kanzel von St. Michael wurde 1751/52 vom Bamberger Bildhauer Georg Adam Reuß und dem Kunstschreiner Franz Anton Thomas wohl anstelle einer Vorgängerin in aufwendigen Rokokoformen gestaltet. Ihr reicher Figurenschmuck zeigt unter anderem die vier Kirchenväter (Hl. Ambrosius, Hl. Hieronymus, Hl. Augustinus und der Hl. Gregor der Große), die vier Evangelisten (Lukas, Matthäus, Markus und Johannes) und den Erzengel Michael im Kampf gegen den Teufel – ein kostbares Werk, für das /für dessen Preis man damals ohne weiteres ein stattliches Einfamilienhaus hätte errichten können.
Zu Beginn der Restaurierung zeigte sich, dass am Schalldeckel der Kanzel der Originallack unter einem später aufgebrachten, verschmutzten Überzug erhalten geblieben war. Nach der vorsichtigen Abnahme des Überzuges diente die Oberfläche als wichtige Referenz für die Restaurierung der weiteren Holzkunstwerke. Ihr Glanzgrad und Erscheinungsbild konnten zusammen mit den übrigen Objekten harmonisch aufeinander abgestimmt werden.
Restaurierung der Ausstattung
Die Kirche St. Michael birgt eine Vielzahl hochkarätiger Kunstschätze in ihrem Inneren. Ein Großteil der Ausstattung stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist bestimmt von den reichen Formen des Barock und des Rokoko. Die Bandbreite reicht von prunkvollen Altargemälden und Skulpturen über filigrane Reliquienarbeiten bis hin zur virtuos inszenierten Kanzel. Mit seinen aufwändigen Holzeinlegearbeiten zählt das Chorgestühl von Kunstschreiner Servatius Brickard zu den kostbarsten Kunstgegenständen der gesamten Kirche. Doch der Zahn der Zeit ging auch an diesen Objekten nicht spurlos vorüber: Fehlstellen im Holzschnitzwerk und an Vergoldungen, schadhafte Malschichten, vergilbte Firnisse und der Staub und Schmutz vieler Jahrzehnte beeinträchtigten das Erscheinungsbild. Durch das Auftragen von aus heutiger Sicht ungeeigneten Lacken und Überzügen früherer Restaurierungskampagnen hatten viele Objekte aus Holz ihren einstigen Oberflächenglanz verloren. Hier leisteten zahlreiche Restauratorinnen und Restauratoren in den vergangenen sechs Jahren Abhilfe. Die Ausstattung der Kirche wurde kunsttechnologisch untersucht, gereinigt, konserviert und Fehlstellen an Schnitzornamentik und Vergoldungen in liebevoller Detailarbeit und alter Handwerkstechnik ergänzt. Vielfach kamen barocke Oberflächen unter jüngeren, störenden Überzügen wieder zum Vorschein.
Allein am Sakramentsaltar, an dem sich mehrere künstlerische Techniken und Materialgruppen – darunter Stein, Holz, Glas, Metall sowie Reliquien- und Klosterarbeiten (zarte Arbeiten aus Metalldraht und Perlen) – in besonderer Art und Weise vereinen, arbeiteten insgesamt sieben Gewerke in enger Abstimmung zusammen.
Festliche Klänge – Die Orgel
Auf der oberen Westempore über dem Haupteingang thront die Orgel von St. Michael, die das Bauwerk seit vielen Jahrzehnten mit ihrem einzigartigen Klangcharakter bereichert.
Der berühmte Prospekt – die zum Kirchenraum gerichtete Schauseite – stammt bereits aus dem 17. Jahrhundert und besteht aus schwarz gefassten Holzteilen mit aufwändigem Renaissanceschnitzwerk, Figurenschmuck und Vergoldungen. Hinter dem Prospekt erklingt das eigentliche Instrument: Ein ursprüngliches Orgelwerk der Firma Steinmeyer von 1889, das 1939/40 von der Orgelbaufirma Weise modernisiert wurde. Insgesamt 41 Register und mehr als 2000 Pfeifen sorgen für eine enorme Klangvielfalt. Während der Gesamtinstandsetzung wurde das Instrument ausgebaut und konnte von 2023 bis 2026 sorgsam gereinigt und restauriert werden. Wenige Neuzutaten – etwa eine neue Elektroverteilung nach heutigem Standard und eine computergestützte Steuerung der Register – erleichtern die heutige Spielpraxis, ohne die historische Substanz zu beeinträchtigen. Damit ist die Orgel bestens vorbereitet, um St. Michael wieder mit festlichen Klängen zu erfüllen.
Vielen Dank den Fördergebern für die Generalsanierung: Bund (Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien), Entschädigungsfonds des Freistaates Bayern, Städtebauförderung von Bund, Ländern und Gemeinden, Oberfrankenstiftung, Bayerische Landesstiftung, Stadt Bamberg und Stiftung Weltkulturerbe Bamberg.
Zum Foto: Die Figur des hl. Heinrich in der Vierung wird restauriert.
Foto: Bürgerspitalstiftung Bamberg, Lara Müller

