Statik und Naturstein
Im Jahr 2012 stand die ehemalige Abteikirche St. Michael vor einer enormen Herausforderung: Akute Einsturzgefahr machte ihre Schließung unumgänglich und leitete eine der umfangreichsten Restaurierungskampagnen in der Geschichte des Bauwerks ein. Nun steht ihre Wiedereröffnung kurz bevor. In einer mehrteiligen Reihe blickt das WOBLA auf die wichtigsten Etappen zurück.
Notsicherung und statische Instandsetzung
In einem ersten Schritt wurde St. Michael 2015 notgesichert – Ein „Korsett“ aus Stahl lief entlang der Obergadenwände, das mittels Stahlankern quer durch die Kirche zusammengespannt wurde. Damit wurden die Voraussetzungen zur statischen Instandsetzung geschaffen: Die gesamte Kirche, von den Turmspitzen bis in die Fundamentzone, wurde in Augenschein genommen, untersucht, bewertet und beplant.
Durch Pilzbefall und Fraßschädlinge war eine Vielzahl maroder Hölzer im Dachtragwerk zu beklagen. Auch das Mauerwerk zeigte in einigen Bereichen starke Schäden. Massive Risse durchzogen nahezu alle Bauteile. Die Gründung der Kirche auf einer instabilen Lettenschicht und bauliche Veränderungen im Laufe der Jahrhunderte, darunter die Errichtung der barocken Westfassade 1697/98, belasteten das Gefüge zusätzlich massiv.
Die Instandsetzung dieser vielfältigen und komplexen Schadensbilder erfolgte in einem engen Zeitrahmen von 2016 bis 2019. In monatelanger Präzisionsarbeit wurden Gewölbe- und Wandbereiche stabilisiert, Mauerwerk und Fundamente ertüchtigt und sämtliche Dachkonstruktionen instandgesetzt. Auf Basis mehrjähriger Untersuchungen entwickelten die beteiligten Fachingenieure ein nachjustierbares Zusatztragwerk.
Dieses hindert die Westfassade und die angrenzenden Türme zukünftig daran, weiter auseinanderzudriften. Die herausragenden Leistungen der statischen Instandsetzung wurden 2024 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold ausgezeichnet.
Stein um Stein
Über Jahrzehnte hinweg hatten Wasser, Wind und Frost sowie chemische Prozesse – etwa die Einwanderung von Salzen – massive Schäden an den Natursteinfassaden von St. Michael verursacht. Starke Verschmutzungen, schadhaften Fugen und desolaten Steinoberflächen waren die Folge. Eindringende Feuchtigkeit wirkte wie ein Motor der natürlichen Verwitterung. Damit warteten zahlreiche Herausforderungen auf die beteiligten Fachplaner: Stein um Stein musste untersucht und ein ganzheitliches Restaurierungskonzept entwickelt werden. Ziel war es, die vorhandenen Natursteinoberflächen langfristig zu sichern, geschädigte Bereiche zu restaurieren und – wo nötig – stark zurückgewitterte oder zerstörte Steine behutsam zu ersetzen. Bei der Restaurierung kam ein spezieller Fugenmörtel zum Einsatz, der über den Zeitraum von eineinhalb Jahren eigens für St. Michael entwickelt wurde.
Es galt ein Material zu finden, dass sich optisch in den Bestand einfügen und den vielfältigen Witterungsbedingungen standhalten würde – sei es im Sockelbereich oder den Obergeschossen der Türme. Mit der Instandsetzung erhielten die Mauern von St. Michael ihr Leuchten zurück und sind nun bestens für die kommenden Jahrzehnte gewappnet.
„Instandsetzung der ehemaligen Abteikirche St. Michael“ 2012-2026.
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Foto: Lara Müller/ Bürgerspitalstiftung Bamberg

