Wer im Urlaub unterwegs ist, kennt das: Kaum angekommen, stellt sich die Frage, wo es die besten Tipps gibt. Früher führte es Schorschla der erste Weg oft in ein Fremdenverkehrsamt. Allein der Name klingt heute ein wenig nach Wählscheibentelefon und Kurkarte. Später wurde daraus die Tourist-Information, moderner, internationaler und irgendwie weltläufiger. Und in vielen Ferienorten im Norden heißt die Anlaufstelle bis heute liebevoll „Haus des Gastes“ – ein Name, der eigentlich schon alles sagt: Willkommen, schön, dass Sie da sind!
Dort gibt es Empfehlungen für Restaurants, Veranstaltungen, Sehenswürdigkeiten oder die schönste Radtour der Region. Kurz gesagt: Menschen helfen anderen Menschen dabei, eine gute Zeit zu haben. Genau deshalb überrascht eine aktuelle Schlagzeile: München soll die unfreundlichste Stadt der Welt sein. Ausgerechnet München. Die Stadt, die Jahr für Jahr Millionen Besucher anzieht und für viele als einer der lebenswertesten Orte Deutschlands gilt.
Grundlage der Schlagzeile ist eine Umfrage des internationalen Netzwerks InterNations. Befragt wurden Expats, also Menschen, die im Ausland leben und arbeiten. Im sogenannten „Ease of Settling in Index“ landete München auf dem letzten Platz. Auch Hamburg, Berlin, Frankfurt und Köln schnitten eher schlecht ab. Die Vorwürfe: schwer zugängliche Einheimische, wenige Kontakte zu Ortsansässigen und Schwierigkeiten, neue Freundschaften zu schließen.
Das klingt zunächst dramatisch. Doch wie aussagekräftig sind solche Ergebnisse wirklich? Ein Blick auf die Details lohnt sich. Voraussetzung für die Aufnahme in die Wertung waren lediglich mindestens 50 Befragte pro Stadt. Wie viele Personen tatsächlich für die einzelnen Städte geantwortet haben, wird nicht ausgewiesen. Zudem handelt es sich um die Wahrnehmung einer ganz bestimmten Gruppe von Menschen. Wer neu in einer Stadt ist, vielleicht die Sprache noch nicht perfekt beherrscht und sein soziales Umfeld erst aufbauen muss, erlebt vieles anders als Urlauber oder langjährige Einwohner.
Natürlich können solche Umfragen interessante Hinweise liefern. Sie zeigen Stimmungen und persönliche Erfahrungen. Mehr aber auch nicht. Sie sind keine naturwissenschaftlichen Messungen und schon gar kein unumstößliches Urteil über Millionen von Menschen. Wer einmal an einem verregneten Montagmorgen in der U-Bahn unterwegs war, könnte ebenfalls zu dem Schluss kommen, die halbe Welt sei schlecht gelaunt.
Deshalb gilt: Solche Rankings sollte man mit einer gesunden Portion Skepsis und Humor betrachten. Sie eignen sich hervorragend für aufmerksamkeitsstarke Überschriften, sagen aber nur begrenzt etwas über die Wirklichkeit aus. Vor allem sollten sie niemandem die Reiselust verderben.
Denn am Ende zählt das, was man selbst erlebt. Das freundliche Gespräch im Biergarten, die nette Empfehlung im Restaurant, die spontane Hilfe beim Blick auf den Stadtplan oder die Begegnung auf einem Stadtfest. Gastfreundschaft lässt sich nicht in Tabellen pressen.
Der Sommer 2026 steht vor der Tür. Hier im schönsten Welterbestädtchen auf dem Globus, in der fränkischen Toskana, in Franken, an der Nordsee, in München oder irgendwo ganz anders: Es gibt unzählige schöne Ecken zu entdecken. Also ruhig neugierig bleiben, offen auf Menschen zugehen und eigene Erfahrungen sammeln. Denn die schönsten Geschichten entstehen selten in Umfragen – sondern draußen, mitten im echten Leben.
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Dienstag, 14. Juli 2026

