Jahresausstellung des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und
Künstler Oberfranken e.V. (BBK Ofr.)
Einen kulturellen Gründonnerstagabend erlebten zahlreiche Besucherinnen und Besucher in der voll besetzten Villa Dessauer. Die Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar grüßte im Namen der Stadt alle Anwesenden. Der Kunsthistoriker Matthias Liebel entspann in seiner prägnanten Einführung in die Ausstellung ein Kaleidoskop der ausgestellten Werke.
In der nun kommenden „Langen Nacht“ am Freitag, 17. April, sind alle Kunstliebhaber bei freiem Eintritt zu Führungen, Workshops, Musik, Gesprächen und Getränken eingeladen. Transparenz kann Vieles sein – etwas schlicht Durchscheinendes und Durchlässiges wie Glas, Wasser, Luft etc., aber ebenso verbergen sich hinter dem Begriff politische, historische, architektonische, ethische, materielle und existentielle Fragen. Diesen nachzuspüren machten sich die 33 Künstlerinnen und Künstler zur Aufgabe.
Maria Söllner entlockt in ihren Frottagen den Solnhofer Bodenplatten die Millionen Jahre alte Geschichte, die sich in den Stein eingegraben hat.
Auch Kieselsteine weisen eine lange Geschichte auf und finden ihren Weg von Benno Nolls kleinformatigen Aquarellen in großformatige Drucke. Historisches nimmt Michaela Schwarzmann in ihrer Arbeit auf, indem sie Grundrisse der Michaelskirche aus verschiedenen Epochen auf durscheinende Seide stickt.
Ein überdimensioniertes Papiertaschentuch breitet sich auf dem Boden aus. Katharina Hubl hat es mit einer gehäkelten Borte verziert und verweist auf weiblich assoziierte Tätigkeiten, deren Sichtbarkeit und Wertschätzung fragil sind. Wer benutzt heute noch ein Spitzentaschentuch?
Werkstoffe wie Holz, Porzellan und Stein verwandeln sich in Transparenz und behaupten ihren Platz in der Ausstellung. Veronika Riedls Porzellanarbeit zeigt teilweise beleuchtete Fassaden als Alliteration an Machenschaften, die im Verborgenen stattfinden und doch dem Zerbrechen anheimgestellt sind.
In den Marmorstelen von Thomas Gröhling verstecken sich Landschaftsformationen und treten in einen Dialog mit den Fotoarbeiten von Stephan Grosse-Grollmann unbelebten Fassaden eines Autohauses in Nürnberg. Wieviel Transparenz lässt Architektur zu? Gerd Kanz stellt sich diese Frage in seinen Arbeiten, in denen die Architektur ihrer Funktion enthoben zu sein scheint. Katharina Heubner zeigt in ihrer skizzenhaften Zeichnung „Die Fahrbahn endet hier“ absurde Bauintentionen.
Netzartig Anmutendes findet sich in den Tuschezeichnungen von Franziska Erb-Bibo, in denen durch die zunehmende Verdichtung aus einem luftigen Geflecht bedrückende Schwärze entsteht. In Cornelia Morschs Zeichnung einer immer dünner werdenden Haut ist das Innere (notdürftig?) geschützt, während Elisabeth Gradls Holzskulptur ihre Organe auf der Haut trägt, sie offenbart ihr Inneres. Was bleibt, wenn sich das Innere nach außen stülpt.
Schon nach wenigen Tagen hat sich die soziale Plastik „Ask a Poet“ von Florian Seubert gemeinsam mit den Besucherinnen und Besuchern entwickelt. Auch Sie können ein Teil davon werden.
Tiefer eintauchen können sie in die Ausstellung bei weiteren Führungen und Workshops. Diese finden Sie auf der Homepage unter bbk-oberfranken.de/images/ausstellungen/
transparenz-begleitprogramm.pdf
Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler
Oberfranken e.V. (BBK Ofr.)
Villa Dessauer, Hainstraße 4a) 96047 Bamberg
Ausstellungsdauer:
Noch bis 17. Mai 2026
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 12.00 bis 18.00 Uhr
Foto: Gerhard Schlötzer

