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St. Michael erstrahlt in all seiner Schönheit

By Bernd Oelsner Top-News Keine Kommentare8 Mins Read24. April 2026
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Die ehemalige Abteikirche wird nach 14 Jahren Generalsanierung feierlich wiedereröffnet

Es ist ein historischer Tag für die Stadt Bamberg: Nach fast eineinhalb Jahrzehnten intensiver Planungs- und Bauzeit wird die ehemalige Abteikirche St. Michael am Samstag feierlich wiedereröffnet. Mit einem Pontifikalamt und einem Festakt erhält eines der bedeutendsten Bauwerke der Welterbestadt Bamberg seine zentrale Rolle im Stadtbild zurück. „Das sanierte Gotteshaus macht Bamberg und die Katholische Kirche um einen Schatz reicher“, betont Oberbürgermeister Andreas Starke. Die Generalsanierung, die im Jahr 2012 begann, zählt zu den größten und komplexesten Bauprojekten in der Stadtgeschichte. Insgesamt wurden rund 43 Millionen Euro investiert.

Ausgangspunkt der umfassenden Sanierung war ein dramatisches Ereignis: Im Jahr 2012 löste sich ein zwei Kilogramm schwerer Putzbrocken aus dem Gewölbe und machte die akute Gefährdung der Bausubstanz sichtbar. „Dieser Moment war ein Schock – aber auch ein Wendepunkt“, erklärt Immobilien- und Stiftungsreferent Bertram Felix. „Uns wurde schlagartig bewusst, dass wir nicht mehr punktuell reparieren können. Wir mussten das Gebäude in seiner Gesamtheit betrachten und retten.“ Schließlich beherbergt es nicht nur den für seine Detailtiefe und Schönheit berühmten Himmelsgarten, sondern auch das Grab des Heiligen Bischof Otto von Bamberg.

Es folgten jahrelange Voruntersuchungen, Schadensanalysen und ein komplexer Planungsprozess. Die Untersuchungen zeigten massive statische Probleme: Risse durchzogen nahezu alle Wandbereiche, die Dachkonstruktion war in Teilen geschädigt, die Stabilität des Bauwerks insgesamt gefährdet. „Die Schadensbilder waren teilweise erschütternd“, so Felix. „Aber sie waren auch die Grundlage für ein Sanierungskonzept, das diesem bedeutenden Bauwerk gerecht wird.“

Präzisionsarbeit am Denkmal

Die eigentlichen Bauarbeiten gliederten sich in einzelne Abschnitte, wobei jeder jeweils separat vorbereitet, finanziert und auch abgeschlossen wurden. „Die Phasen folgten logisch aufeinander: Erst immer die Ursache der Krankheit finden, schauen was die Heilung kostet, Geld auftreiben und dann umsetzen“, fasst die Bauleiterin Karin Hamper zusammen. 

Nach der Notsicherung im Jahr 2015 folgte zwischen 2016 und 2019 die umfassende statische Instandsetzung. Dabei wurden unter anderem ein Raumgerüst von rund 16.000 Kubikmetern sowie Fassadengerüste mit einer Fläche von etwa 11.600 Quadratmetern errichtet – Dimensionen, die die Größe der Maßnahme eindrucksvoll verdeutlichen. „Wir haben hier nicht einfach saniert – wir haben das Gebäude Stück für Stück neu stabilisiert“, erläutert Bauleiterin Karin Hamper. „Jede Maßnahme musste individuell abgestimmt werden, oft auf Basis von Untersuchungen, die erst während der Arbeiten möglich waren.“

Seit 2020 standen schließlich die Fassaden sowie der Innenraum im Mittelpunkt der Arbeiten. Besonders die Natursteinfassaden stellten die Fachleute vor enorme Herausforderungen: Rund 3.700 Quadratmeter Natursteinfläche wurden bearbeitet, etwa 4.600 Quadratmeter gereinigt, rund 13.500 Meter Fugen erneuert und tausende Einzelmaßnahmen am Stein ausgeführt. Steinmetz Rudolf Spangel, der jeden Stein innen und außen persönlich untersucht hat, beschreibt die Arbeiten so: „Das war echte Handarbeit im besten Sinne. Jeder Stein erzählt seine eigene Geschichte – und unsere Aufgabe war es, diese Geschichte zu bewahren, ohne die Spuren der Zeit einfach wegzuschleifen.“

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die Arbeiten aktiv unterstützt, alle Fachbereiche der Restaurierung in der Bau- und Kunstdenkmalpflege waren mit so nie dagewesenem Zeit‑ und Personaleinsatz eng in Vorbereitung und Ausführung eingebunden. Deshalb spricht Generalkonservator Prof. Mathias Pfeil mit Blick auf die Eröffnung am Samstag auch von einem „Tag voller Freude und Stolz“. Er erklärt: „Nach Jahren intensiver gemeinsamer Arbeit wird unser Einsatz endlich sicht- und spürbar. Mit außergewöhnlichem Engagement hat das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Restaurierung von St. Michael begleitet. Es ist uns gelungen, den Raumeindruck des 18. Jahrhunderts wieder lebendig werden zu lassen – einen Eindruck, der berührt. In diesem Projekt stecken unzählige Stunden, selten gewordenes „Knowhow“, Kraft und Herzblut. Deshalb gilt mein aufrichtiger Dank allen, die St. Michael über so lange Zeit mit Hingabe und Leidenschaft zu dem gemacht haben, was wir heute bestaunen.“

„Ausdruck des Zusammenhalts“

Oberbürgermeister Starke stellt die Gemeinschaftsleistung bei diesem Projekt heraus: „Dass wir diese Kirche nun wieder öffnen können, ist ein starkes Zeichen dafür, was möglich ist, wenn viele gemeinsam an einem Ziel arbeiten.“ Er erinnert daran, dass zur Finanzierung des Projekts auch Privatpersonen und Benefizkonzerte unter anderem mit dem Weltstar Lang Lang beigetragen haben, die vom früheren Kuratoriumsvorsitzenden der Welterbestiftung Bamberg, Michael Stoschek, initiiert worden waren. „Diese Sanierung ist nicht nur ein technisches Meisterwerk“, so Starke weiter. „Sie ist auch ein Ausdruck des Zusammenhalts in unserer Stadt.“

Trotzdem ging es nur dank einer stattlichen Fördersumme in Höhe von 35 Millionen Euro, die vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), vom Entschädigungsfonds des Freistaats Bayern, der Städtebauförderung, der Bayerischen Landesstiftung, der Oberfrankenstiftung und der Stiftung Weltkulturerbe Bamberg zur Verfügung gestellt wurden. Die Bürgerspitalstiftung, in deren Eigentum sich die Kirche befindet, und die Stadt Bamberg mussten so nur acht Millionen Eigenmittel für diese gewaltige Baumaßnahme aufbringen.

Festliche Wiedereröffnung am Samstag

Die Wiedereröffnung am Samstag beginnt um 10 Uhr mit einem feierlichen Pontifikalamt. Gegen 14 Uhr findet ein Festakt statt, bei dem Vertreter aus Kirche, Politik und Gesellschaft die Bedeutung des Bauwerks und der Sanierung würdigen. Beide Veranstaltungen sind auf Grund der äußerst beengten Raumsituation nur für geladene Gäste. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind jedoch herzlich eingeladen, diese im Livestream auf der städtischen Homepage www.stadt.bamberg.de zu verfolgen.

Am nächsten Tag beginnt um 10 Uhr für die Allgemeinheit ein Gottesdienst, bei dem alle Bambergerinnen und Bamberger eingeladen sind mitzufeiern. Zwei Wochen später, am 9. und 10. Mai 2026, folgt ein großes Bürgerfest, bei dem auf die Bauzeit zurückgeschaut und gemeinsam das Ergebnis gewürdigt werden soll.  Mit der Öffnung der Kirche wird St. Michael wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und knüpft an seine jahrhundertelange Tradition als Ort des Glaubens, der Begegnung und der Geschichte an. Künftig wird die Kirche freitags bis sonntags sowie an Feiertagen jeweils von 11 bis 16 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet sein.

Hintergrund: Die sechs Bauabschnitte

Die Sanierung von St. Michael war in sechs Bauabschnitte unterteilt, die alle jeweils im vorgeplanten Zeitrahmen und auch nahezu im geplanten Kostenrahmen umgesetzt wurden:

Bauabschnitt 1:

2012-2014 statische Voruntersuchungen

Nachdem der Putzbrocken von der Decke heruntergefallen war, wurden umgehend statische Untersuchungen eingeleitet, um die Ursache dafür herauszufinden. Hierbei stellte sich heraus, dass viele Schadensprozesse die Kirche massiv geschädigt haben und nahezu alle Bauteile betroffen sind. Eine statische Sicherung war unumgänglich, um Teileinstürze zu vermeiden.

Bauabschnitt 2:

2015 Notsicherung

Im Zuge der Voruntersuchungen wurde eine Notsicherung konzipiert, die 2015 dann umgesetzt wurde. Warum nicht gleich eine statische Sanierung? Weil die Notsicherung den Status Quo erst einmal sicherte und die Kirche bis zur noch unsicheren Finanzierung einer großen statischen Maßnahme erst einmal stehen konnte. Die Einsturzgefahr konnte dadurch gebannt werden.

Bauabschnitt 3:

2016-2019 Statische Instandsetzung

Auf Grund der Bedingung für die Förderung musste die statische Instandsetzung (Mauerwerk und Gewölbe konsolidieren, alle Dächer sanieren, Bekrönungen sichern, Fundamente stabilisieren) in nur drei Jahren durchgezogen werden – die größte Herausforderung überhaupt bei der Größe des Gebäudes. Deshalb wurde auch die komplette Kirche innen und außen eingerüstet, nicht in Teilabschnitten, sondern komplett. Es musste an allen Ecken und nahezu allen Bauteilen gleichzeitig gearbeitet werden. In diesem Bauabschnitt ging es nicht um „Schönheitsreparaturen“, also keine Natursteinarbeiten, kein Putz, keine Farbe, keine Böden, keine Ausstattung. Es galt nur, die Kirche stabil zu machen. Dass dies gelungen ist, wurde im Jahr 2024 mit dem Bayerischen Denkmalpflegepreis in Gold gewürdigt.

Bauabschnitt 4:

2018-2019 Voruntersuchungen Fassaden und Innenraum

Bereits während der statischen Instandsetzung wurden die Gerüste für die Voruntersuchungen an Fassaden, Fenstern und Innenraum genutzt. Auch das war wieder eine separat finanzierte Maßnahme. Zu allen Gewerken (Naturstein, Fenster, Metall, Putz- und Fassung, Ausstattung, Technik, Orgel etc.) wurden nun Konzepte erstellt und Kosten ermittelt. Es war klar: Nach der statischen Sanierung steht die Kirche zwar wieder stabil da, aber für die Öffentlichkeit kann sie nicht aufgemacht werden, denn Putz kann noch herabfallen, alle Rissbereiche sind nur kraftschlüssig verschlossen, Natursteinfassaden und Fenster sind zu überarbeiten, die Ausstattung ist stark verschmutzt, die gesamte Technik veraltet.

Nach der statischen Instandsetzung hätte das Gerüst außen und innen abgebaut werden müssen, denn es war nicht klar, ob eine Finanzierung für die Fassaden und den Innenraum mit Ausstattung gelingen wird. Die Oberfrankenstiftung sprang hier der Bürgerspitalstiftung zur Hilfe und finanzierte die Gerüste und die bestehende Baustelleneinrichtung erst einmal weiter, um die Voruntersuchungen abzuschließen, bis eine Entscheidung getroffen war.

Bauabschnitt 5:

2020-2026 Fassaden und Innenraum mit Ausstattung

Die erhoffte Finanzierung dieses Bauabschnitts kam 2020. In diesem Abschnitt ging es darum, die gesamten Natursteinfassaden, alle Fenster, die gesamten Wand- und Gewölbeflächen im Innenraum, alle Technik, die Glockenstuben, die Ausstattung, die Orgel, die Emporen, die Malereien und die Böden zu überarbeiten. Immer mit dem Ziel vor Augen, die Kirche wieder zu öffnen.

Bauabschnitt 6:

2025-2027 Epitaphe und Kapellen

Die Restaurierung der zehn kunstvollen Epitaphe, die ursprünglich aus dem Dom stammen sowie die beiden reich dekorierten Kapellen, Marienkapelle und Heilig-Grab-Kapelle, wird über ein separates Programm finanziert. Die aufwendigen Arbeiten werden im kommenden Jahr abgeschlossen, so dass dann auch die Kapellen und die Epitaphe uneingeschränkt gezeigt werden können.

Zum Foto: Bei der Instandsetzung des berühmten Himmelsgartens kamen auch Injektionsspritzen zum Einsatz, um Risse zu schließen oder hohl liegende Putzplatten zu hinterfüllen. / Foto: Bürgerspitalstiftung Bamberg, Lara Müller

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