| Bamberg. Im Hauptsmoorwald dokumentieren Pilz- und Pflanzenexperten im Auftrag der Bayernwerk Netz GmbH regelmäßig die Entwicklung der Artenvielfalt auf beweideten Trassenflächen einer Hochspannungsleitung. Dieses Jahr erstmals mit dabei sind Trüffelsuchhund Hägar und seine Hundeführerin Doris Karwath, die bei der Suche nach verborgenen Pilzarten unterstützen. Mit seinen zehn Jahren Trüffelerfahrung ist Zwergpudel Hägar schon ein alter Hase. Nur wenige Minuten schnuppert er konzentriert über den Waldboden, dann beginnt er zu buddeln. Für seine Halterin Doris Karwath ist das das Zeichen, dass Hägar fündig geworden ist. „Von den unterirdisch wachsenden Pilzen sind in Deutschland bereits mehrere hundert Arten nachgewiesen. Da diese Pilze jedoch verborgen im Boden leben und nur selten gezielt kartiert werden, dürfte die tatsächliche Artenvielfalt noch deutlich höher sein“, sagt Doris Karwath. Auf der Stromtrasse im Hauptsmoorwald findet Hägar vor allem Hirschtrüffel. Diese sind für Menschen ungenießbar, jedoch für Wildschweine und andere Wildtiere eine wichtige Nahrungsquelle. Die bekannten Speisetrüffel spielen hier keine Rolle und stehen zudem in Deutschland unter besonderem Schutz. Dank seiner feinen Nase hilft Hägar dabei, verborgene Pilzvorkommen aufzuspüren und wertvolle Daten für die wissenschaftliche Erfassung der Artenvielfalt zu sammeln. Kartierungen liefern wichtige Erkenntnisse „Wir wollen uns einen Überblick über den gesamten Lebensraum verschaffen und haben daher verschiedene Kartierungen in Auftrag gegeben“, erklärt Trassenmanager Bernd Lang von der Bayernwerk Netz. Er betreut in Nordbayern das ökologische Trassenmanagement, bei dem Flächen unter Hochspannungsleitungen gemeinsam mit Tierhaltern durch Beweidung offengehalten werden. Seit 2003 werden Trassenabschnitte im Hauptsmoorwald östlich von Bamberg regelmäßig mit Schafen und Ziegen beweidet. So entstand dort eine lichte Heidelandschaft, ein Übergangsraum, in dem sich typische Wald- und Offenlandarten begegnen. Zur Pflanzengemeinschaft liegen bereits Daten aus mehr als zwei Jahrzehnten vor. Im Jahr 2002 wies der Bamberger Botaniker Hermann Bösche auf dem nördlichen Teil der Trasse 279 Farn- und Blütenpflanzenarten nach. Im Jahr 2025 waren es bereits 368. Im südlichen Teil, der erst seit fünf Jahren kartiert wird, waren es 380 Arten. Besonders erfreut ist Hermann Bösche über das seltene Alpen-Leinblatt, das erst seit wenigen Jahren in stabilen Beständen auf der Trasse vorkommt. 355 Pilzarten auf der Trasse Die Pilzkartierung wurde im vergangenen Jahr erstmals durchgeführt. Insgesamt konnten Pilzexperte Harald Ostrow und sein Team 284 Pilzarten nachweisen, darunter 32 Arten der Roten Liste Deutschlands. Allein bei den beiden Kartierungsexkursionen dieses Jahr im Mai und Juni wurden 49 beziehungsweise 22 weitere Pilzarten gefunden. Neben Gras- und Totholzpilzen wie dem Zweifarbigen Kristallhaarbecherchen, dem Pokalförmigen Stängelbecherling und dem Kielförmigen Muschelpilzchen entdeckten die Fachleute den Behangenen Düngerling, der auf Schaf- und Ziegendung wächst. Dank Hägars Unterstützung konnten auch unterirdisch wachsende Arten nachgewiesen werden. Dazu zählen die Kleinwarzige Hirschtrüffel, die tief im Boden wächst und von Wildschweinen gerne ausgegraben wird, sowie die Weißgekammerte Schleimtrüffel, die im Eichenlaub und in der Nadelstreu von Kiefern vorkommt. |
Foto:Adriane Lochner, Copyright:Bayernwerk, Text:Bayernwerk

