WOBLA im Gespräch mit Gastronom, Ex-Postbote und Schiedsrichter Sebastian Linz über seinen Werdegang, prominente Begegnungen und die Faszination Sandkerwa.
Von der Posttasche an den Gastrotresen
WOBLA: Servus Sebastian! Stell dich doch zum Einstieg kurz vor: Wer bist du und was machst du – für alle, die dich vielleicht noch nicht kennen?
Sebastian Linz: Hallo, grüß dich! Sehr gerne: Ich bin der Sebastian Linz, Jahrgang 1984 und ein echter Bamberger – auch wenn ich im nahen Bischberg aufgewachsen bin, wo meine Eltern seit gut 70 Jahren wohnen.
Über zwei Jahrzehnte lang war ich als Postbote in der Region unterwegs, von Ebrach bis Hollfeld und natürlich mitten in Bamberg am Oberen Stephansberg. Seit meinem 14. Lebensjahr schlägt mein Herz außerdem für die Schiedsrichterei, und seit sieben Jahren bin ich selbstständiger Gastronom. Inzwischen führe ich zwei traditionsreiche Bamberger Betriebe: den Kachelofen am Katzenberg und den Fässla-Keller.
WOBLA: Du hast deine Zeit als Schiedsrichter erwähnt. Bist du aktuell eigentlich noch auf dem Platz aktiv?
Sebastian Linz: Ja, absolut! Ich bin vor Kurzem wieder eingestiegen und pfeife derzeit in der Kreisliga. Früher war ich jahrelang in den höheren Verbandsklassen unterwegs – unter anderem in der Landes- und Bayernliga sowie sechs Jahre lang als Assistent in der Regionalliga an der Seite von höherklassigen Schiris, von denen manche heute in der Bundesliga oder sogar für die FIFA pfeifen, wie mein Kumpel Christian Dietz.
Prominente Anekdoten aus dem Lokal und über den Wolken
WOBLA: Ob Postbote, Schiedsrichter, Gastronom oder Stadtratskandidat – du hast schon extrem viel erlebt. Welche Anekdote ist dir dabei besonders in Erinnerung geblieben?
Sebastian Linz: In der Gastronomie passiert natürlich täglich irgendetwas Verrücktes, besonders während der Sandkerwa am Katzenberg. Aber eine Geschichte ist wirklich hängengeblieben: Ich habe vor Jahren mal den Schlagersänger Stefan Mross aus meiner Kneipe geworfen. Drei Wochen später hat er sich persönlich bei mir entschuldigt. Heute ist er Stammgast und isst jedes Mal ein Schäufele bei mir, wenn er in Bamberg ist.
WOBLA: Du hast neulich auch im Flugzeug eine spannende Bekanntschaft gemacht, richtig?
Sebastian Linz: Stimmt! Ich saß auf dem Flug von Mallorca nach Salzburg in der ersten Reihe – direkt neben Heino. Wir haben uns auf Anhieb großartig unterhalten. Er erzählte mir von seinem Urlaub und einem Auftritt auf der Insel. Wir haben Kontaktdaten ausgetauscht und uns für ein Kaffeetrinken verabredet. Aktuell bin ich sogar daran, ihn als Moderator oder Gast für unser nächstes Benefizkonzert im Oktober zu gewinnen. Die Daumen sind gedrückt!
Das Pendeln nach Kitzbühel und der Alltagsbetrieb
WOBLA: Du pendelst derzeit regelmäßig zwischen Kitzbühel und Bamberg. Wie meisterst du diese Distanz organisatorisch mit zwei Lokalen?
Sebastian Linz: Das funktioniert nur, weil ich ein phänomenales und treues Team hinter mir habe. Mein Küchenleiter im Kachelofen feiert nächstes Jahr 30-jähriges Jubiläum, meine stellvertretende Küchenleiterin ist seit 15 Jahren dabei und unser Oberkellner seit einem Vierteljahrhundert. Auf so ein Team kann man sich blind verlassen. Vieles im Hintergrund – von Reservierungen bis hin zur Organisation – steuere ich einfach mobil per E-Mail und Telefon.
WOBLA: Der Fässla-Keller ist ein riesiger Biergarten, der Kachelofen ein Traditionsgasthaus. Wie unterscheiden sich die Jahreszeiten bei euch?
Sebastian Linz: Der Kachelofen brummt das ganze Jahr über, wir haben hier keinen einzigen Ruhetag und durchgehend warme Küche. Der Fässla-Keller mit seinen 500 Sitzplätzen ist dagegen ein klassisches Sommergeschäft. Im Winter läuft draußen naturgemäß wenig, da setzen wir auf gezielte Highlights wie den Bockbieranstich, Weihnachtsfeiern oder ein großes Saison-Closing mit Live-Musik. Sehr geholfen hat uns im Kachelofen übrigens die Umgestaltung des öffentlichen Raums: Dass Parkplätze in Freischankflächen umgewandelt wurden, hat der gesamten Sandstraße und Austraße unglaublich viel Leben eingehaucht.
Sandkerwa-Faszination und soziales Herz
WOBLA: Die Sandkerwa ist das Bamberger Highlight schlechthin. Wie hat sich das Fest im Laufe der Jahre verändert?
Sebastian Linz: Ich bin seit meinem 14. Lebensjahr auf der Sandkerwa aktiv. Früher haben die Kellner 15 bis 20 Seidla auf einmal durch die Mengen getragen. Heute schaffst du vielleicht noch fünf, weil die Gäste insgesamt bewusster genießen. Zudem haben sich die Sicherheitsauflagen und Vorschriften im Laufe der Jahre stark verändert. Trotzdem bleibt es ein wunderschönes Fest. Ich bin extrem froh, dass wir am Katzenberg wieder Live-Musik haben – denn ohne Musik fehlt der Kerwa einfach die Seele.
WOBLA: Auf Social Media sieht man dich sehr häufig bei Wohltätigkeitsaktionen und Tombolas. Woher kommt dieses starke soziale Engagement?
Sebastian Linz: Das hat schon mit 16 angefangen, als ich ein Stück meiner ersten Schiedsrichter-Gage an ein krankes Kind gespendet habe.
Seit ich mich 2020 selbstständig gemacht habe und es finanziell gut läuft, möchte ich einfach etwas an die Region zurückgeben. Nicht jedem geht es gut im Leben – viele Menschen kämpfen mit schweren Krankheiten oder Schicksalsschlägen. Wir haben im Fässla-Keller schon ein Benefizkonzert mit 1.000 Besuchern auf die Beine gestellt und unterstützen regelmäßig regionale Initiativen. Mittlerweile stehen mir rund 50 fantastische Partner aus der Wirtschaft zur Seite, die Preise für unsere Verlosungen stiften. Mein Motto lautet da ganz einfach: Zusammentun, Gutes tun und einander helfen.
WOBLA: Lieber Sebastian, vielen Dank für das sympathische Gespräch und weiterhin gutes Gelingen!
Foto/Text: Michael Lorey

