Herzlichen Glückwunsch! Ab sofort wird in Deutschland wieder mehr repariert. Ja, es gibt Gesetze, die verändern die Welt. Und es gibt Gesetze, die bringen sie wieder in Ordnung. Das neue „Recht auf Reparatur“ gehört fürs Schorschla zur zweiten Kategorie. Seit 1. August dürfen Hersteller ihre Kunden nicht mehr ganz so elegant zum Neukauf drängen wie bisher. Das wird als Triumph für Nachhaltigkeit gefeiert. Man könnte es aber auch anders formulieren: Endlich wird verboten, was eigentlich nie hätte normal werden dürfen.
Denn seien wir ehrlich: Was haben wir uns in den vergangenen Jahren alles bieten lassen? Kühlschränke die nicht älter werden als der Hamster vom Töchterchen. Waschmaschinen mit eingebautem Ablaufdatum. Smartphones, deren Akku so fest verklebt war, als bewahre er die letzten Staatsgeheimnisse. Ersatzteile? Leider nicht mehr verfügbar. „Aber schauen Sie doch mal unser neues Modell an – jetzt mit drei zusätzlichen Kameralinsen und in salbeigrün“, so der geschulte und freundliche Verkäufer im Elektromarkt.
Wir haben dieses Spiel tatsächlich erstaunlich lange mitgespielt. Fast ehrfürchtig akzeptierten wir, dass ein Toaster für 30 Euro als Wegwerfartikel galt und einer für 300 Euro erstaunlicherweise auch. Reparieren? Das lohne sich nicht, erklärte man uns. Ein bemerkenswerter Satz. Denn dass sich Reparieren nicht lohnt, war nie ein Naturgesetz. Es war das Ergebnis einer Wirtschaftslogik, die das Schrauben durch das Shoppen ersetzen wollte.
Natürlich sind auch wir Verbraucher nicht ganz unschuldig. Wir haben Schnäppchen gejagt, uns vom nächsten vermeintlichen Technik-Wunder verführen lassen und den Satz „Da kaufe ich lieber gleich ein neues“ viel zu oft ausgesprochen. Allerdings hatten wir dabei tatkräftige Unterstützung. Wer Akkus verklebt, Spezialschrauben erfindet und Ersatzteile schneller vom Markt nimmt als die Weihnachtsdekoration aus den Supermärkten verschwindet,
verfolgt selten pädagogische Ziele. Das hat nicht nur es Schorschla immer wieder erkennen müssen.
Jetzt also die Kehrtwende. Hersteller müssen reparieren, Ersatzteile bereitstellen und ihre Preise offenlegen. Das ist vernünftig. Nur sollte man daraus nach Schorschla-Meinung keine Heldengeschichte machen. Niemand käme auf die Idee, die Straßenverkehrsordnung zu feiern, weil Autofahrer künftig wieder bremsen müssen. Man beseitigt lediglich einen Missstand.
Vielleicht ist das neue Reparaturrecht deshalb weniger ein Meilenstein als eine späte Entschuldigung. Eine Entschuldigung dafür, dass wir uns jahrelang einreden ließen, Nachhaltigkeit bedeute vor allem, alle zwei Jahre ein neues Gerät mit einem grünen Werbeaufkleber zu kaufen.
Die eigentliche Innovation des Jahres 2026 ist nämlich verblüffend schlicht: Ein kaputtes Gerät muss nicht mehr automatisch ersetzt werden. Unsere Großeltern hätten dafür wahrscheinlich kein Gesetz geschrieben. Sie hätten einfach den Werkzeugkasten geholt.
