Während über dem Eingang zur Matern schon das große Banner mit der Aufschrift „Krippenschau“ hängt, wird im ehemaligen Gotteshaus noch fleißig gewerkelt. Ein mitunter reges Treiben ist zu beobachten, wenn Kisten reingetragen werden und sonstiges Baumaterial in das Kirchlein im Schatten des Hohen Domes geschafft wird. Die Karwoche steht kurz bevor. Und damit neben der Advents- und Weihnachtsausstellung das zweite Highlight im Vereinsjahr der Bamberger Krippenfreunde.
Bereits zum 34. Mal findet die Passionsausstellung in diesem Jahr statt. Und wieder einmal sind Krippenfreunde aus nah und fern eingeladen, sich von den unterschiedlichen Szenen in Bann ziehen zu lassen. Dabei sind die Passionskrippen ein selten gewordenes Brauchtum, erklärt Ausstellungsleiter Michael Suffa. Krippen verbindet man eher mit Weihnachten. Zu diesem Anlass gibt es auch in vielen Privathaushalten Krippen mit Figuren und Häusern, die aufgebaut werden. Doch auch die Passion Jesu ist mit dem Krippenschaffen verbunden. Wenngleich auch auf eine ganz andere Art und Weise: Wer derzeit in die Matern kommt, der spürt eine ernstere Stimmung. Und das ist auch nicht verwunderlich: Während zur Weihnachtszeit die Freude über die Geburt des Erlösers überwiegt, steht an Ostern erst einmal das Leiden und der Tod im Mittelpunkt. Und an beiden Größen kommt man in der Passionsausstellung der Bamberger Krippenfreunde nicht vorbei.
Doch zunächst beginnt auch in der Karwoche alles mit großem Jubel. Am Palmsonntag zieht Jesus auf einem Esel sitzend in Jerusalem ein und wird von der feiernden Menge wie ein König empfangen. Peter Reuß aus Altdorf bei Nürnberg hat die Szene nachgestellt. Die zahlreichen Figuren, die dafür nötig waren, hat Reuß häufig selbst gegossen, Hände und Füße teilweise selbst aus Holz geschnitzt. Auch Lukas Löffler aus Kronach hat sich diesem Thema gewidmet. Doch seine Szene wirkt ruhiger, konzentrierter. Es ist nicht die große Masse, die Jesus zujubelt, sondern einige wenige jubeln ihm mit Palmzweigen in den Händen zu oder breiten ihre Kleider vor ihm aus. Alles muss dabei bibeltreu sein und dem entsprechen, was in der Heiligen Schrift über das Leben Jesu geschrieben steht.
Nach dem feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem folgen jedoch bereits die ernsten Tage, die mit dem Gründonnerstag beginnen. Jesus sitzt noch einmal mit seinen Freunden zusammen, um mit ihnen Abendmahl zu halten und ihnen die Füße zu waschen. Mit der Szene des letzten Abendmahls hat sich der Bamberger Krippenbauer Michael Vadas auseinandergesetzt. Dabei kamen Figuren zum Einsatz, die in Bamberg entstanden sind. In der Villa Remeis lebte und arbeitete Max Huscher, der neben seiner Tätigkeit als Konditor unzählige Krippenfiguren geschnitzt hat. Kein Wunder, dass eine Ausstellung der Bamberger Krippenfreunde nicht ohne die Werke der Bamberger Schnitzer Huscher und Walter Hamatschek auskommt.
Kreuzigung und Grablegung sind die Themen, die den Karfreitag und den Karsamstag prägen. In der Ausstellung in der Matern begegnet man diesen Themen auf unterschiedliche Weise: Ein gegeißelter Heiland, ein „Heiliges Grab“ aus Klubberln (also alten Wäscheklammern), eine große Kreuzigungsszene. Letztere hat auch Heiner Deuerling inszeniert: Die Figuren stammen von Josef Hien, der in Ottobrunn bei München lebte und wirkte. Beeindruckend ist die Szene vor allem durch die gekonnte Lichtführung und die dezente Konzentration auf das Wesentliche.
Gleich zwei große Kirchenkrippen sind in diesem Jahr in der Maternkapelle vertreten, betont Ausstellungsleiter Suffa. Mit Teilen der großen Krippe aus der Karmeliterkirche ist die Vertreibung der Händler aus dem Tempel dargestellt. Und mit einem Teil des Krippenguts aus der Oberen Pfarre gestaltet Michael Suffa gleich mehrere Episoden aus der Passion Christi.
In den rund 40 Kojen in der Matern finden sich auch zu dieser Passionsausstellung wieder sehenswerte Exponate und Krippen, die zum Staunen einladen. Und auch, wenn es ernster zugeht: Letztlich lädt die Ausstellung doch auch dazu ein, nicht zu vergessen, dass nicht Leid und Tod das letzte Wort haben. Sondern über der Karwoche steht die österliche Freude über die Auferstehung Jesu vom Tod. Und diese Freude ist stärker als alles Leid dieser Welt. Hier schließt sich übrigens der Kreis: Denn das ist ja auch die eigentliche Botschaft des Weihnachtsfestes.
Die Öffnungszeiten der Ausstellung:
Von 28. März bis 12. April 2026, Werktags 14 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag u. Ostermontag 13 bis 17 Uhr; Karfreitag 10 bis 17 Uhr.
Eintritt frei, freiwillige Spenden erbeten.
Bild: Neben vielen Szenen aus der Passion Jesu bildet natürlich die Kreuzigung den Mittelpunkt des Geschehens. Heiner Deuerling zeigt sie in diesem Jahr mit kaschierten Figuren von Josef Hien aus Ottobrunn.
Foto + Text: Fabian Brand

