Es Schorschla liebt diesen Wettbewerb. Und die anschließenden Diskussionen über das Ergebnis. Ja, es ist wieder so weit: Die Jugend darf wählen – und die Erwachsenen dürfen hinterher rätseln, was das Ergebnis bedeutet. Das Jugendwort des Jahres ist zurück. Ein Ritual, das zuverlässig für Schlagzeilen sorgt – wie sonst nur der ESC. In Falle des Jugendworts stellt sich fürs Schorschla alljährlich die gleiche Frage: Reden junge Leute wirklich so?
Kurz zu den Fakten: Seit 2008 wird das Jugendwort gekürt. Damals gewann die „Gammelfleischparty“. Es folgten „Niveaulimbo“, „Swag“, „YOLO“, „Babo“, „Smombie“, „I bims“, „Ehrenmann/Ehrenfrau“, „lost“, „cringe“, „smash“, „goofy“ und zuletzt 2025 „das crazy“. Wer darin eine sprachliche Verfallsgeschichte erkennt, den darf es Schorschla beruhigen: Die Jugend hat schon immer komisch geredet. Nur früher hieß es halt „knorke“, „dufte“ oder „lässig“. Heute ist es „cringe“. Der Unterschied: Früher hat die Oma geschimpft, heute gibt es dazu einen TikTok-Clip.
2026 wird es nun politisch. Mehr als 120.000 junge Menschen haben sich laut BUNDjugend an der bisherigen Abstimmung beteiligt. Im Finale stehen „Mehrzweckeier“, „Peak“ und „Ragebait“. „Peak“ bedeutet Höhepunkt oder Gipfel. Wenn etwas „Peak“ ist, geht es besser eigentlich nimmer. „Ragebait“ ist der Versuch, gezielt Empörung zu erzeugen. Man postet etwas Provokantes, wartet, bis alle sich aufregen, und freut sich über die Klicks.
Zu Schorschlas Blütezeit nannte man das „Stammtisch“. Heute braucht es dafür nur WLAN. Und dann sind da die „Mehrzweckeier“. Das klingt zunächst nach einem Produkt, das man auch auf dem beim Bauernmarkt kaufen könnte: „Sechs Stück, Größe M, vielseitig verwendbar.“ Tatsächlich steckt dahinter ein politischer Protestbegriff, entstanden aus dem Slogan „Merz leck Eier“, der das erste Mal auf dem Schild eines 18-Jährigen bei einer Anti-Wehrpflicht-Demo Anfang März in Berlin erschien. Die BUNDjugend kritisiert, dass der Begriff bei Langenscheidt nicht weiter berücksichtigt wurde, und hat ihn deshalb in ihre eigene Abstimmung aufgenommen.
„Mehrzweckei“ ist auch der Favorit vom Schorschla. Nicht weil es besonders schön klingt. Sondern weil es alles hat, was ein gutes Jugendwort braucht: Es ist absurd, frech, politisch und erklärungsbedürftig. Vor allem aber erzählt es etwas über die Zeit, in der wir leben. „Peak“ beschreibt den Höhepunkt. „Ragebait“ beschreibt das Internet. „Mehrzweckeier“ beschreibt den Streit darüber, wer eigentlich bestimmen darf, wie die Jugend spricht. Und vielleicht ist genau das der Sinn eines Jugendworts. Es soll nicht jedem gefallen. Es soll ein bisschen nerven. Es soll Eltern ratlos zurücklassen und Journalisten Stoff für einen kleinen Artikel liefern. Oder, wie man es in Franken perfekt auf den Punkt bringt: Bassd scho! Bis jemand wirklich fragt, was „Mehrzweckeier“ eigentlich bedeutet. Dann wird’s kompliziert. Und dann kommt auch die Jugend an ihre sprachlichen Grenzen.
