OBERFRANKEN. Landstraße – das bedeutet Kurven und Freiheit. Kein Stau, sondern der direkte und schönere Weg durch reizvolle Landschaften. Doch genau hier passieren besonders häufig schwere Unfälle. Die aktuelle Verkehrsunfallstatistik 2025 der oberfränkischen Polizei zeigt deutlich: Ein erheblicher Teil, nämlich 25 der insgesamt 37 Verkehrstoten, starb auf Landstraßen. Ein alarmierender Hinweis darauf, wie riskant selbst vertraute Strecken sein können.
Im Jahr 2026 richtet die Polizei Oberfranken deshalb den Blick auf typische Unfallursachen auf Landstraßen.
Diesmal geht es vor allem um Gefahren für Radfahrende – und Gefahren, die von Radfahrern ausgehen.
Selbstüberschätzung, mangelnde Fahrpraxis oder Alkohol am Fahrradlenker
City-, Gravel- oder Mountainbike, Rennrad oder Pedelec: Immer mehr Menschen legen sich ein Fahrrad zu. Gerade auf Landstraßen kommt es häufig zu gefährlichen Situationen zwischen Kraftfahrzeugen- und Radfahrern. Im Jahr 2025 starben neun Fahrradfahrer bei Verkehrsunfällen, davon zwei auf Landstraßen.
Eine Auswertung der Verkehrsunfallstatistik zeigt jedoch auch, dass die meisten Radfahrunfälle auf eigenes Fehlverhalten zurückzuführen sind. Selbstüberschätzung im Gelände, mangelnde Fahrpraxis oder Alkohol am Steuer führen immer wieder zu Unfällen und Verletzungen.
Häufig ist fehlender Abstand beim Überholen ein Reizthema zwischen Radfahrern und Autofahrern. Um die Sicherheit von Radfahrern zu erhöhen, hat der Gesetzgeber den Mindestabstand dabei auf zwei Meter festgelegt – ohne echtes Ausscheren unter Beachtung des Gegenverkehrs müssen Autos hinter den Radfahrer bleiben. Autofahrer haben also die Pflicht, für die Sicherheit der Radfahrer zu sorgen. Allerdings sollten Radlerinnen und Radler bei jeder Fahrt bedenken, dass sie im Vergleich zu motorisierten Verkehrsteilnehmern immer die Schwächeren sind.
Ende April hätte ein 38-Jähriger besser nicht mehr aufs Fahrrad steigen sollen. Der Radfahrer wechselte bei Kirchenlamitz im Landkreis Wunsiedel von einem Waldweg auf die Staatsstraße. Während ihn ein Autofahrer überholte, scherte er plötzlich aus. Es kam zu einer Berührung, woraufhin der 38-Jährige stürzte. Ursache für das unvorhersehbare Fahrmanöver dürfte seine Alkoholisierung von über einem Promille gewesen sein.
Die fehlende Knautschzone kann selbst bei Unfällen miteinander schwerwiegende Folgen haben. Im Juni kam es auf einem Radweg bei Lichtenfels zu einem Frontalzusammenstoß zwischen einem Pedelec-Fahrer und einem Rennradfahrer. Der 78-jährige Fahrer des Pedelecs trug keinen Helm, verlor das Bewusstsein und wurde schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht.
Grundsätzlich sollten Radfahrer nicht nebeneinander fahren – auch dies selbst dann, wenn kein Auto in Sicht ist. Schmerzlich feststellen mussten dies zwei Pedelec-Fahrer bei Weidenberg im Landkreis Bayreuth. Die 65-jährige Frau und der 59-jährige Mann fuhren mit etwa 40 Stundenkilometern nebeneinander eine abschüssige Straße hinunter. Dabei blickte sich der 59-Jährige nach hinten um und lenkte unbewusst sein Fahrrad gegen das Pedelec der Frau. Beide stürzten, wobei die Frau schwere Verletzungen erlitt. Glücklicherweise trugen beide einen Helm, sodass schwerere Unfallfolgen ausblieben.
Appell:
Nicht jeder Unfall lässt sich verhindern – schwere Kopfverletzungen aber oft schon. Deshalb gilt: „Lieber eine Helmfrisur als eine Schädelfraktur.“

