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Home»Politik & Wirtschaft»Wirtschaft

Krisenstimmung in Oberfrankens Wirtschaft

By Jessica Frank Wirtschaft Keine Kommentare4 Mins Read12. Mai 2026
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Konjunkturklimaindex der IHK für Oberfranken Bayreuth bricht ein

Die wirtschaftliche Situation im Kammerbezirk der IHK für Oberfranken Bayreuth trübt sich weiter ein, wie die jüngste Konjunkturbefragung zeigt. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen für die kommenden zwölf Monate geben spürbar nach. Der Konjunkturklimaindex verzeichnet einen Rückgang um 8 Punkte und liegt nun bei einem Wert von 87.

In den vergangenen 30 Jahren lag der Index nur 2022 (Russischer Einmarsch in die Ukraine), 2020 (Corona-Pandemie), 2009 (Immobilien- und Wirtschaftskrise) und 2003 (Irak-Krieg) auf einem derart niedrigen Niveau.

„Die Ergebnisse sind ein deutlicher Warnruf“, betont IHK-Präsident Dr. Michael Waasner. „Statt den vorhergesagten Aufschwung erwarten die Unternehmen eine sich verschärfende wirtschaftliche Krise. Sicher teils aufgrund neuer weltwirtschaftlicher Unsicherheiten, aber auch wegen ausbleibender politischer Reformen in Deutschland.“

Fehlende Impulse
Die befragten Unternehmen im Kammerbezirk der IHK für Oberfranken Bayreuth bewerten in der Frühjahrsbefragung ihre aktuelle Geschäftslage schlechter als zu Jahresbeginn. Nur noch 21 Prozent schätzen ihre Lage positiv ein, aber 29 Prozent negativ, was einem Saldo von -8 Punkten entspricht (Saldo zu Jahresbeginn -2).

Weder vom Auftragsvolumen noch von der Auslastung gehen positive Signale aus. „Vor allem im Handel und Tourismus, aber auch in der Industrie, fehlt es an Aufträgen“, so Wolfram Brehm, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth. Die Auslastung wird vor allem in der Industrie sehr negativ eingeschätzt, einzig die Dienstleister beurteilen diese im Saldo positiv.

Erwartungen bleiben im Keller
Die Geschäftserwartungen für die kommenden zwölf Monate geben weiter nach. Nur noch 13 Prozent der Befragten rechnen mit einer Verbesserung ihrer Geschäftslage, aber 32 Prozent mit einer Verschlechterung. Im Saldo liegen die Geschäftserwartungen bei –19 Punkten (zur Jahreswende -8 Punkte).

Vor allem die erwartete Inlandsnachfrage gibt weiter nach (Saldo -22 Punkte). Nicht ganz so schlecht die Erwartungen für Auslandsaufträge (-6 Punkte). Mit dem Asien-/ Pazifikraum gibt es eine Region, wo die Erwartungen im Saldo sogar leicht positiv sind. Besonders schlecht schätzen die Unternehmen das erwartete Auftragsvolumen aus den USA und China ein.

Zukunftsinvestitionen gehen ins Ausland
Die Investitionsplanungen im Inland für die folgenden zwölf Monate zeigen weiter nach unten (Saldo -12 im Vergleich zu -9 zu Jahresbeginn). Nur noch 17 Prozent der Befragten wollen mehr investieren, 29 dagegen weniger. Dazu kommen 26 Prozent, die keinerlei Investitionen planen. Investitionen werden zunehmend ins Ausland verlagert. 12 Prozent wollen dort mehr, 7 Prozent weniger investieren.

Noch wichtiger als die Entwicklung ist erneut das Hauptmotiv der Investitionen. Im Inland stehen vor allem Ersatzbeschaffungen (68 Prozent Nennung) und Rationalisierungen (34 Prozent) im Fokus. Produktinnovationen und Kapazitätserweiterungen spielen eine untergeordnete Rolle.

Ganz anders ist die Situation bei den Auslandsinvestitionen. Hier liegt das Hauptmotiv bei Kapazitätserweiterungen (55 Prozent Nennung) gefolgt von Produktinnovationen (45 Prozent). Zur Jahreswende waren es jeweils gerade einmal 29 Prozent.

„Wer immer noch nicht versteht, was die Uhr geschlagen hat: Die Diskussion, ob eine Deindustrialisierung droht, ist längst keine theoretische mehr“, warnt der IHK-Präsident. „Gerade Oberfranken mit seiner hohen Industriedichte und wo die Industrie in den vergangenen 20 Jahren erheblich zum Wachstum beigetragen hat, würde dies weit überdurchschnittlich treffen.

Dauerhaft schlechte Lage spiegelt sich in Beschäftigungsplanungen wider
Mit einem Saldo von -19 verschlechtern sich die Beschäftigtenprognosen im Frühjahr erheblich (Saldo -11 zu Jahresbeginn). Insgesamt gehen 28 Prozent der befragten Unternehmen von einer sinkenden Belegschaft am Standort für die kommenden zwölf Monaten aus – der höchste Wert seit Jahren.

Risiken in der weiteren Entwicklung sehen die Unternehmen vor allem bei den Energie- und Rohstoffpreisen, den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, den Arbeitskosten sowie der Inlandsnachfrage (Nennungen jeweils über 60 Prozent aller Befragten). Einen großen Sprung – von Rang 4 auf Platz 1 – als Risikofaktor machen die Energie- und Rohstoffpreise.

„Die aktuelle Lage auf den Energiemärkten, zuletzt stark befeuert durch den Nahost-Konflikt, ist für viele Unternehmen wie ein Damoklesschwert“, macht Brehm deutlich. Doch nicht nur externe Faktoren setzen viele Unternehmen unter Druck: „Zur ganzen Wahrheit gehört, dass viele der großen Risikofaktoren für unsere Wirtschaft hausgemacht sind.“

Dr. Michael Waasner

Die IHK-Vertreter kritisieren in diesem Zusammenhang die ausufernde Bürokratie, übermäßig komplexe und langwierige Genehmigungsverfahren sowie das Ausbleiben echter Deregulierung. Besonders die hohe Steuer- und Abgabenlast nehme den Unternehmen die dringend benötigte Luft zum Atmen. „Vor allem muss endlich erkennbar sein, wohin es eigentlich gehen soll. Die unklare strategische Ausrichtung der Bundesregierung ist längst unser größtes Standortrisiko“, so Waasner weiter.



Er richtet einen deutlichen Appell an die Bundesregierung: „Ich erwarte, dass Sie sich auf eine bessere Politik einigen, die der deutschen Wirtschaft wieder zu Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und langfristiges Vertrauen in den Standort verhilft. Dafür muss die Produktivität steigen, Innovationen ermöglicht und Investitionen angereizt werden. Es muss jetzt Schluss sein, das Trennende in den Mittelpunkt zu stellen – entscheidend ist, dass das Einigende in den Fokus rückt.“ Nur so könne das Vertrauen von Unternehmen und Bevölkerung zurückgewonnen sowie die Rahmenbedingungen für Investitionen, Wachstum und Beschäftigung geschaffen werden. Ganz im Sinne von „Made in Germany!“

Fotos: Ochsenphoto – Thorsten Ochs

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