Wissenswertes zur Sanierung der Abteikirche St. Michael: Fenster und Metall
Im Jahr 2012 stand die ehemalige Abteikirche St. Michael vor einer enormen Herausforderung: Akute Einsturzgefahr machte ihre Schließung unumgänglich und leitete eine der umfangreichsten Restaurierungskampagnen in der Geschichte des Bauwerks ein. Nun steht ihre Wiedereröffnung kurz bevor. In einer mehrteiligen Reihe blicken wir auf die wichtigsten Etappen zurück.
Überraschung aus Glas
Fenster und Glas sind aus einem Kirchengebäude nicht wegzudenken: Sie prägen die Wirkung des Raumes, sorgen für besondere Lichtstimmungen und betonen die Präsenz der Kirchenausstattung.
An der ehemaligen Abteikirche St. Michael sind heute verschiedene Fenster- und Glasarten verbaut. Lange Zeit war nicht bekannt, dass sich darunter ein in Umfang und Qualität einzigartiger Bestand an barocken Mondscheiben aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verbirgt. Mondglas ist ein historisches Flachglas, das in einer aufwändigen Handwerkstechnik hergestellt wurde, die heute verloren ist. Die barocken Sechseckscheiben von St. Michael wurden vermutlich in Fabrikschleichach (heute ein Ortsteil der Gemeinde Rauhenebrach/Landkreis Haßberge) gefertigt und sind nach mehr als 300 Jahren noch bemerkenswert gut erhalten.
Im Rahmen der Gesamtinstandsetzung wurde der gesamte Bestand im Jahr 2022 ausgebaut, untersucht, sorgfältig gereinigt und restauriert. Nur wenige Scheiben mussten durch ein geeignetes Ersatzmaterial ausgetauscht werden. Zu diesem Zweck wurden in Kooperation mit der renommierten Glashütte Lamberts in Waldsassen neuartige Ersatzgläser entwickelt. Diese fügen sich im Hinblick auf ihr Erscheinungsbild und ihre Fernwirkung harmonisch in den Gesamtbestand ein.
Eine Weltneuheit für St. Michael
Einfallendes Sonnenlicht sorgt zwar für eine stimmungsvolle Atmosphäre im Kirchenraum, kann Kunstwerke und Mobiliar jedoch auch nachhaltig schädigen. Im Chor von St. Michael hatten Gemälde, Chorgestühl und Stuck bereits sichtbare Schäden davongetragen. Die Chorfenster aus den 1980er (entfernt) Jahren boten kaum Schutz gegen ultraviolette (UV-) und infrarote (IR-) Strahlung.
Die Glashütte Lamberts forschte bereits seit Längerem im Bereich innovativer Lichtschutzgläser. Im April 2019 stellte sie der Bürgerspitalstiftung Bamberg die Anfrage, ein Forschungsprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) im Kontext der Gesamtinstandsetzung von St. Michael durchzuführen. Ziel war es, ein Flachglas mit kombiniertem UV- und IR-Schutz zu entwickeln, das in seiner Oberflächenstruktur und Farbgebung dem Erscheinungsbild historischer, mundgeblasener Fenstergläser entspricht – eine Weltneuheit, die zum damaligen Zeitpunkt noch nicht verfügbar war. Nach zahlreichen physikalischen Analysen und der Herstellung von Mustergläsern wurden die ersten Scheiben dieser Art 2024 im Chor von St. Michael verbaut. Das Zusammenspiel von traditionellem Handwerk und Innovation führte zum Erfolg und sorgt zukünftig für den Schutz der Kirche und ihrer Ausstattung.
Metallrestaurierung in St. Michael
Auch Metall ist im Kirchenraum allgegenwärtig. Die Vielfalt der Objekte reicht von Ankern und Wandhalterungen über Nägel, Türangeln und Schlösser bis hin zu zarten Schmuckelementen und Vergoldungen an Altären.
Im Zuge der Gesamtinstandsetzung wurden tausende Kleinteile untersucht und restauriert, darunter allein 2.047 Windeisen und Keile an den Maßwerkfenstern. An den Figuren der Westfassade erstrahlen neue Vergoldungen. Die aufgrund des enormen Schadensbildes notwendige Kopie des hl. Erzengels Michael auf dem Westgiebel erhielt ebenfalls ein neues Flügelpaar und einen neuen Kreuzstab.
Barockes Schmuckstück: Das Chorgitter
Das kunstvolle Chorgitter aus dem Jahr 1730 trennt den Hochchor vom übrigen Kirchenraum. Es besteht aus Schmiedeeisen und ist reich mit vergoldeten Pflanzenmotiven, Blumen und Früchten verziert. Im Laufe der Zeit verschwand die ehemals farbenfrohe Gestaltung des Gitters unter ungeeigneten Anstrichen. Im Zusammenspiel mit Alterung und Schmutz hinterließen diese nur eine dunkle Ansicht mit Goldakzenten.
Bei der aktuellen Restaurierung zeigte sich, dass sich unter den dunklen Oberflächen ältere Farbschichten erhalten haben. Diese wurden in Kooperation mit den Restaurierungswerkstätten des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege wissenschaftlich analysiert. Sie dienten als wichtige Grundlage für die Restaurierung und als Leitlinie für den Neuanstrich.
Heute erscheint das Chorgitter wieder in den historischen Farbtönen seiner Entstehungszeit. Der Grundton in hellem Blau fügt sich harmonisch in den barocken Innenraum ein, während auch die jüngeren Farbschichten als wichtige Zeugnisse der Geschichte erhalten bleiben.
Termine zum Vormerken
Dienstag, 14. April:
VHS-Vortrag St. Michael
Die Restaurierung der Fassung an Altären, Chorgestühl und Orgel (Dipl.-Rest. Eike Dehn),
Beginn 19:00 Uhr, Altes E-Werk (Tränkgasse 4). Eintritt frei – ohne Anmeldung
Sonntag, 26. April:
Eröffnungsgottesdienst
Beginn: 10:00 Uhr
sowie Kirchenöffnung und
Frühschoppen bis 16:00 Uhr im Innenhof der Klosteranlage
• Der Lions Club – Bamberg- Michelsberg sorgt für gegrillte Bratwürste
• Das Fränkische Brauereimuseum für gekühlte Getränke
• Der Bamberger Stiftsgarten für Silvaner, Kaffee und Kuchen
09./10. Mai:
Bürgerfest am Michaelsberg
Beginn: 11 Uhr
Weitere Infos unter www.buergerspitalstiftung.de
Die Kirche ist ab dem 01.05.2026 von Freitag bis Sonntag und feiertags von 11.00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet.
Zum Bild: Die Kopie des hl. Michaels auf dem Westgiebel mit neuem Flügelpaar.
Foto: Bürgerspitalstiftung Bamberg, Lara Müller

