Prozessionen, Traditionen und die „fünfte Jahreszeit“ der Gärtner
Wenn an Fronleichnam die Straßen mit Birkenzweigen geschmückt sind, Fahnen im Wind wehen und Tausende Gläubige durch die Bamberger Altstadt ziehen, dann erlebt die Domstadt einen ihrer traditionsreichsten Feiertage. Besonders für die Bamberger Gärtner ist dieser Tag etwas ganz Besonderes: Sie nennen die Fronleichnamsprozession ihre „fünfte Jahreszeit“. Denn, wie ein altes Sprichwort sagt: „Do kummd der Hergott ja nei die Strass.“
Große Prozession durch die Altstadt
Das Fronleichnamsfest beginnt am Donnerstag um 8 Uhr mit einem Pontifikalamt im Bamberger Dom. Erzbischof Herwig Gössl zelebriert den Gottesdienst, musikalisch begleitet von Domchor, Mädchenkantorei und Domkantorei. Im Anschluss zieht die große Prozession durch die Altstadt und endet mit dem Eucharistischen Segen auf dem Domplatz.
Tausende Gläubige werden erwartet. Traditionell beteiligen sich zahlreiche Gruppen und Organisationen – darunter Pfarreien, Bruderschaften, Innungen, Vereine, Ritterorden, Ordensgemeinschaften sowie Vertreter aus Stadt und Landkreis.
Zu den eindrucksvollsten Elementen gehören das rund 600 Kilogramm schwere Domkreuz, das von 18 Männern getragen wird, die historischen Prozessionsstangen und die Marienstatuen der Kirchen Unsere Liebe Frau und St. Martin.
Der Weg der Prozession
Die Prozession führt vom Dom über die Residenzstraße, Elisabethenstraße und die Untere Sandstraße zur Markusbrücke. Weitere Stationen sind unter anderem Markusplatz, Holzmarkt, Heumarkt, Maxplatz und Grüner Markt, bevor der Zug schließlich wieder auf dem Domplatz endet.
Entlang der Strecke laden festlich geschmückte Altäre zu Gebet und Besinnung ein.
Die Bamberger Gärtner und ihre „fünfte Jahreszeit“
Eine besondere Rolle spielen die traditionsreichen Bamberger Gärtner. Für sie ist Fronleichnam der Höhepunkt des Jahres – wichtiger noch als Weihnachten. Bereits seit Jahrhunderten beteiligen sich die „Oberen“ und „Unteren“ Gärtner sowie die Häcker mit großem Stolz an der Prozession.
Nach der Feier in der Gangolfskirche zieht ihre eigene Prozession durch die historische Gärtnerstadt. Die Straßen und Häuser werden mit frischen Birken, Blumen und Fahnen geschmückt. Junge Gärtner tragen dabei schwere Heiligenbilder und Figuren, die kunstvoll mit Blumen dekoriert sind. Besonders verehrt werden der heilige Sebastian, Schutzpatron der Gärtner, sowie Maria Magdalena.
Mit der Gärtnerprozession verbindet sich auch eine romantische Tradition: Früher nutzten junge Gärtner den Tag gern für einen Heiratsantrag. Über einen sogenannten Stuhlträger ließen sie ihrer Angebeteten einen Blumenstrauß überreichen. Wurde dieser angenommen, galt die Verbindung als besiegelt.
Mehr als 600 Jahre Geschichte
Die Wurzeln des Fronleichnamsfestes in Bamberg reichen bis ins Jahr 1390 zurück. Damals ordnete Bischof Lamprecht von Brunn erstmals eine Prozession zu Ehren des Leibes Christi an. Aus mehreren Prozessionen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die große Fronleichnamsprozession, wie sie heute bekannt ist.
Seit 1822 findet sie in ihrer heutigen Form statt und gehört zu den bedeutendsten religiösen und kulturellen Traditionen der Stadt.
Tradition mit kleinen Neuerungen
Auch 2026 prägen viele liebgewonnene Traditionen das Bild der Innenstadt. Neu belebt wird ein alter Brauch: Sieben Fenster des Rathauses am Maxplatz werden wieder mit den gelb-weißen Kirchenfähnchen geschmückt. Zudem wird der Balkon des Alten Rathauses festlich beflaggt.
Eine besondere Rolle übernimmt erneut Oberbürgermeister Sebastian Niedermaier. Statt an der Spitze des Zuges mit den Ehrengästen zu gehen, trägt er wie schon seit vielen Jahren das historische „Masterbild“ der Bamberger Gärtner.
Hinweis für Besucher
Wegen der Prozession kommt es am Vormittag zu Einschränkungen im Busverkehr. Betroffen sind vor allem die Linien 904, 906, 910 und 916. Fahrgäste sollten mehr Zeit einplanen und sich vorab über aktuelle Fahrplanänderungen informieren. https://wobla.net/stadtbus-fronleichnamsprozessionen-haben-vorfahrt/
© Pressestelle Erzbistum Bamberg

