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Home»Politik & Wirtschaft»Wirtschaft

Frauen im Handwerk sichtbar machen

By BA-News Wirtschaft Keine Kommentare4 Mins Read
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HWK für Oberfranken startet Projekt „Frauen im Handwerk“ mit Themenmonat – Umfrageergebnisse, Vorbilder und Testimonials werden crossmedial ausgespielt

Bayreuth/Oberfranken. Frauen sind im Handwerk keine Ausnahme mehr, inzwischen ist jede fünfte Auszubildende in Oberfranken weiblich. Dennoch stehen sie noch immer vor besonderen Hürden und Herausforderungen. Mit dem Projekt „Frauen im Handwerk“ setzt die Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken ein klares Signal für mehr Sichtbarkeit, mehr Vorbilder und bessere Rahmenbedingungen für Frauen im Handwerk. Gestartet wird das Projekt im April mit einem Themenmonat. Mit diesem stellt die Handwerkskammer eine Zielgruppe ins Zentrum, die für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks eine entscheidende Rolle spielen kann.

Eine aktuelle Umfrage der Handwerkskammer zeigt: Während jede zweite Frau im Handwerk den Meistertitel anstrebt, fühlt sich gleichzeitig jede Dritte nicht richtig ernstgenommen. Wiederum jede zweite denkt sogar darüber nach, ihre Ausbildung oder berufliche Laufbahn abzubrechen. „Wenn wir Frauen als potenzielle Fachkräfte und Mitarbeiterinnen nicht in Betracht ziehen oder nicht ernst nehmen, verspielen wir im Handwerk ein großes Potenzial“, ist der Hauptgeschäftsführer der HWK, Reinhard Bauer, überzeugt. „50 Prozent der Bevölkerung ist weiblich. Gerade daher sehen Forschende viele Möglichkeiten, durch Frauen den bestehenden Fachkräftebedarf im Handwerk zu verkleinern.“ Daher sei es auch für das Handwerk entscheidend, mehr Frauen auszubilden, zu qualifizieren und langfristig zu binden.

Hindernisse dafür liegen oft in den Strukturen – und im Handwerk selbst. „Unsere Umfrage zeigt, dass zum Beispiel neben starren Arbeitszeitmodellen vor allem fehlende Wertschätzung eine große Rolle bei Abbrüchen oder Wechseln spielt,“ zitiert Bauer aus den Ergebnissen der Umfrage zu Frauen im oberfränkischen Handwerk . Außerdem fehlen Mädchen und jungen Frauen weibliche Vorbilder. „Hier schließt sich ein Kreis: Weil Vorbilder fehlen, gehen junge Frauen nicht ins Handwerk und werden selbst nicht zu den Vorbildern, die die Jüngeren so dringend bräuchten.“

Daher wird der Themenmonat, den die HWK im April vor allem auf ihrem Instagram-Kanal (@hwkoberfranken) gestaltet, neben Fakten vor allem starke Frauen im Handwerk zeigen, die ihre individuellen Wege ins Handwerk und ihre Berufsperspektiven sichtbar machen. So stehen etwa Lotta Trunk, angehende Brauerin, sowie die beiden Goldschmiede-Auszubildenden Sarah Mergner und Lena Findeiß aus Hof beispielhaft für den Einstieg in die Branche. Die angehende Mechatronikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Kathrin Adam, wechselte vom Film ins Handwerk, während Schreinerin Bianca Krauss nach einer Familienpause bewusst in ihren Beruf zurückkehrt und aktuell die Meisterschule besucht.

Mut zur Selbstständigkeit beweist Franziska Heinl. Die Steinmetzmeisterin gründete 2024 ihren eigenen Betrieb in Thiersheim und führt diesen heute erfolgreich als Ein-Frau-Unternehmen. Für innovative Konzepte steht Alexandra Bednarek aus Münchberg. Mit ihrem „Omlaax“ verbindet sie das Friseurhandwerk mit Café-, Bar- und Eventkonzepten und schafft damit neue Arbeits- und Begegnungsräume. Tradition, Zukunft und Familie vereinen schließlich Luisa und Julia Wiesneth, die als „Mühlenschwestern“ ihre Mühle in elfter Generation führen und zeigen, wie sich familiäre Werte und moderne Ideen im Handwerk verbinden lassen. Seite 2

Umfrage zeigt klaren Handlungsbedarf

Die HWK-Umfrage, die sie in den eigenen Bildungszentren und in den Berufsschulen durchgeführt hat, macht deutlich, dass auf weibliche Nachwuchskräfte im Handwerk noch weitere strukturelle Herausforderungen warten. Neben fehlender Wertschätzung werden insbesondere ungenügende Aufstiegsperspektiven und Unsicherheiten in der beruflichen Entwicklung als Hürden genannt.

Genau hier setzt die Kampagne an: Durch authentische Einblicke, persönliche Geschichten und gezielte Ansprachen sollen Frauen im Handwerk sichtbarer gemacht und neue Perspektiven aufgezeigt werden. Ziel ist es, insbesondere junge Frauen für handwerkliche Berufe zu begeistern und gleichzeitig Betriebe für die Potenziale weiblicher Fachkräfte zu sensibilisieren.

Einladung zum Dialog

Den (vorläufigen) Abschluss des Projekts „Frauen im Handwerk“ bildet eine Podiumsdiskussion am Dienstag, 28. April um 18 Uhr, im Schlössla in Kulmbach. Dort werden die Umfrageergebnisse gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik – unter anderem die Bundestagsabgeordnete und Fleischermeisterin Nora Sitz (Chemnitz) –, Wirtschaft und Wissenschaft diskutiert. Zudem präsentiert die Kammer dabei die im Rahmen der Kampagne entstandenen Videoporträts der Handwerkerinnen.

Das Projekt „Frauen im Handwerk“ ist aus der Zusammenarbeit der HWK mit einer jungen Uniabsolventin entstanden, die ihre Bachelorarbeit in Politikwissenschaft diesem Thema gewidmet und ihr Pflichtpraktikum bei der Handwerkskammer absolviert hat. Es ist Teil der strategischen Arbeit der HWK für Oberfranken zur Fachkräftesicherung und zur Stärkung von Chancengleichheit im Handwerk. Ziel ist es, bestehende Strukturen aufzubrechen und neue Wege in der Berufsorientierung und Fachkräftegewinnung zu gehen. Denn: Der Fachkräftemangel im Handwerk braucht neue Lösungen – und Frauen sind ein zentraler Teil davon.

Ausführliche Informationen zum Projekt finden Sie auf www.hwk-oberfranken.de/frauenimhandwerk

Zum Bild: Die Goldschmiede-Auszubildenden Sarah Mergner & Lena Findeiß (von links) aus Hof.

Foto: HWK für Oberfranken

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