40 Grad im Schatten. Der Asphalt wird weich, die Tauben sitzen mit offenem Schnabel unter Parkbänken, und selbst die Sonnencreme sucht den Schatten. Kurz gesagt: Es ist Sommer. Und während wir uns hierzulande mit Eis, Freibad, kalten Duschen und dem Feierabendbier im Bierkeller über Wasser halten, hat Frankreich eine Entscheidung getroffen, die viele für einen Angriff auf die europäische Kulturgeschichte halten dürften. Ein großflächiges Alkoholverbot. In Frankreich. Ausgerechnet zur Fête de la Musique.
Fürs Schorschla klingt das ungefähr so, als würde man zur nächsten Kerwa Brezen verbieten oder in Italien erklären, dass Pizza künftig nur noch quadratisch serviert werden darf.
Die Begründung klingt allerdings erstaunlich vernünftig. Wegen der extremen Hitze sollen die Rettungsdienste entlastet werden. Wer bei dieser Glut mehrere Gläser Wein, Bier oder Pastis trinkt, erhöht die Chancen erheblich, den Abend nicht vor der Konzertbühne, sondern auf einer Trage zu verbringen.
Trotzdem bleibt ein seltsames Gefühl. Denn der Franzose ohne Wein ist für viele Europäer ungefähr so schwer vorstellbar wie ein Deutscher ohne Meinung zum Wetter.
Man stelle sich die
Krisensitzung vor:
„Wir müssen die Menschen schützen!“
„Mehr Trinkwasser?“
„Ja!“
„Mehr Sanitäter?“
„Natürlich!“
„Mehr Schattenplätze?“
„Unbedingt!“
Kurzes Schweigen.
„Und den Wein verbieten wir auch.“
Spätestens an diesem Punkt dürfte irgendwo in Bordeaux ein Korkenzieher vor Schreck aus der Hand gefallen sein.
Natürlich ist die Maßnahme nachvollziehbar. Die Erinnerungen an die verheerende Hitzewelle von 2003 sitzen in Frankreich tief. Damals starben Tausende Menschen. Da schaut man heute lieber einmal mehr auf die Risiken. Dennoch zeigt die Debatte vor allem eines: Hitze verändert unsere Gewohnheiten. Früher bedeutete Sommer Freibad, Grillabend und Biergarten. Heute gehören Hitzewarnungen, Trinkempfehlungen und Katastrophenschutzpläne gleich mit dazu.
Ist das nur Panikmache? So wie die Wetterkarten im Öffentlich-Rechtlichen? Wo früher auf gelbem Hintergrund einmal 32 Grad als Höchsttemperatur eingeblendet wurde, ist die Karte heute glutrot eingefärbt. Vielleicht müssen wir uns auch daran gewöhnen. Vielleicht werden künftige Generationen staunen, dass ihre Vorfahren bei 38 Grad freiwillig in der Sonne saßen und glaubten, der Flüssigkeitsverlust lasse sich durch ein süffiges, kaltes Bierchen ausgleichen.
Bis dahin bleibt allerdings die Hoffnung, dass die 40-Grad-Marke bei uns noch ein wenig auf sich warten lässt. Denn eines ist sicher: Ein Sommerabend im schattigen Bierkeller ist schon seit Generationen eine wunderbare Belohnung für einen überstandenen, schweißtreibenden Arbeitstag. Komplett ohne Bier? Wäre doch gerade für uns Franken eine echte Herausforderung.
Deshalb der Tipp vom Schorschla: Genießen Sie Ihr Lieblingsgetränk an Ihrem Lieblingsplätzchen. Aber seien Sie vernünftig. Denn als Durstlöscher kann man gerade bei dieser Hitze auch gerne mal auf Alkoholfreies zurückgreifen. Freiwillig und ohne offizielle Verbote. In diesem Sinne: Auf die Gesundheit!
