Jochen Klima: Schilder kann man per App lernen, Umgang mit Emotionen nicht
Die von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder vorgeschlagenen Vereinfachungen beim Führerscheinerwerb führen nach Meinung des Fahrlehrerverbandes Baden-Württemberg zu einer faktischen Absenkung der Prüfungsanforderungen. Durch die Kürzung der Mindestprüfungsfahrzeit auf 25 Minuten sei es künftig leichter, eine Führerscheinprüfung zu bestehen, sagt Jochen Klima, der Vorsitzende des Verbandes. „Das wirkt wie eine Absenkung der Anforderungen, einfach damit mehr Kandidaten bestehen. Aber Fahrprüfungen sind keine Bundesjugendspiele.“
Auch die Kürzung der Sonderfahrten beispielsweise auf Autobahnen und Landstraßen sieht Klima kritisch. „Wie soll man Fahrschülern in einer Stunde seriös das sichere Autobahnfahren beibringen? Auffahren bei wenig und bei viel Verkehr, fahren zwischen Lkw, überholen, lange konzentriert schnell fahren und so weiter – das muss man ausgiebig üben“, betont der Vorsitzende des baden-württembergischen Fahrlehrerverbandes. Er empfiehlt, die verpflichtenden zwölf Stunden Sonderfahrten beizubehalten. „Gleichzeitig sollte der Fahrlehrer mehr Spielraum bekommen, wie er sie innerhalb dieses Rahmens verteilt, also je nach Können und Bedarf des Fahrschülers mehr Überland-, Nacht- oder Autobahnanteile setzen.“
Sinnvoll sei es zudem, bei der Theorie anzusetzen. „Viele Fragen sind unnötig kompliziert formuliert. Eine verständlichere Sprache – auch im Sinne von Menschen mit Einschränkungen – und das Streichen echter Dopplungen wären sinnvoll.“ Den möglichen Wegfall des Theorieunterrichts sieht Klima dagegen kritisch. „Mit Apps kann man sich die Prüfungsfragen antrainieren. Aber das heißt noch nicht, dass man die Regeln und Zusammenhänge wirklich verstanden hat“, erklärt Klima. „Gerade Themen, bei denen es um Verhalten, Druck durch Mitfahrer oder Emotionen geht, funktionieren im diskursiven Präsenzunterricht besser. Darauf zu verzichten, halte ich für grundlegend falsch.“
Redakteur: Sandro Vitale

