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Es Schorschla: Weihnachten im KI-Zeitalter

Weihnachten im KI-Zeitalter – wenn sogar die Lichterketten synchron blinken

Es Schorschla wird ja gerade an Weihnachten immer ein wenig sentimental. Ja, früher war Weihnachten eine überschaubare Angelegenheit: Der Adventskranz war rund, der Nikolaus bärtig und der Schnee kalt. Das hat die Bevölkerung auch gewusst und so gab es keine aufklärenden Posts über Eiseskälte und schockierende Frostbeschreibungen. Da war das einfach nur der erste Wintereinbruch. Punkt.

Heute ist alles etwas komplexer – vor allem seit die künstliche Intelligenz beschlossen hat, beim Fest der Feste kräftig mitzumischen. Bestes Beispiel: Vergangene Woche sorgte ein KI-generierter Weihnachtsmarkt vor dem Buckingham Palast für großes Staunen. Wunderschön! Funkelnd! Royal! Und vor allem: komplett frei erfunden. Der sicherste Weihnachtsmarkt der Welt ist also der, den es nicht gibt. Endlich mal ein Konzept, bei dem man sich nicht über Sicherheitszäune beschweren muss.
Während im Internet also pixelperfekte Christbäume wachsen, diskutieren wir im echten Leben – wie jedes Jahr, seit Maria und Josef an einer Herberge klopften – über Öffnungszeiten. Dürfen die Geschäfte am Sonntag öffnen? Und wenn ja: Wie lange? Und wo genau? In Bamberg, wo die Bevölkerung so einiges mit stoischer Biergeduld über sich ergehen läßt, wird es in diesem Jahr richtig sportlich: vier lange Einkaufsnächte an den Adventssamstagen und ein
verkaufsoffener Sonntag zum
Auftakt.
Und natürlich wird wie immer diskutiert. Einige von denen, die gefühlt Jahrzehnte über die fehlenden Genehmigungen für Sonderöffnungszeiten schimpften und neidisch ins viel offenere und flexiblere Berlin blickten, erklären jetzt, dass diese Einkaufsnächte nichts weiter als eine Zumutung seien. Kein Personal. Keine ausreichende Vorbereitungszeit. Keine Lust. Keine Energie. Dabei muss natürlich betont werden, dass diese „verkaufsoffenen Überstunden“ für jeden Unternehmer völlig freiwillig sind. Eine Option auf Mehrumsatz, kein Zwang.

Vielleicht muss es Schorschla einfach akzeptieren, dass der Mensch im Advent zu einem irrationalen Geschöpf mutiert – da wird exzessiv über Sonntagsöffnungen und Einkaufsnächte gestritten, während man sich gleichzeitig als Opfer der global agierenden 24/7-Onlineplattformen sieht.

Trotz aller digitalen Wunder bleibt Weihnachten erstaunlich analog. Die echten Glühweinbecher sind klebrig, der echte Weihnachtsschmuck hängt schief, und der echte Weihnachtsfrieden ist so zerbrechlich wie die gläsernen Christbaumkugeln, die man alljährlich in großen Kartons vom Dachboden holt. Und genau darin liegt ja der Zauber: dass wir uns jedes Jahr aufs Neue bemühen, das perfekte Fest zu feiern – und dabei fröhlich scheitern.

Ob in London mit erfundenen Märkten oder in Bamberg zwischen Bockbier, „Bunsch“ und Barockfassaden: Weihnachten findet statt. Weltweit. Unvollkommen, chaotisch, menschlich. Und genau deshalb wunderschön. In diesem Sinne: Eine schöne Adventszeit – egal ob mit künstlicher Intelligenz oder süffigem Glühwein.

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