„Dorfjungs“ als FIFA-Lichtblick
Was bitte war denn das? Die Auslosung zur Fußball-WM-2026 am vergangenen Freitag war wohl das peinlichste Event des Jahres. So sieht es zumindest es Schorschla. Wie konnte es dazu kommen? Ganz einfach: Wenn der korrupteste FIFA-Chef aller Zeiten – und das ist bei Vorgängern wie Herrn Blatter schon eine Leistung – und der US-Präsident sich gemeinsam die große Bühne des Weltsports teilen, dann muss man sich als Zuschauer schon auf einiges gefasst machen. Angeblich verfolgten ja eine Milliarde Menschen die Ziehung der Gruppenphase, wobei die Zahl aus dem Mund von Herrn Infantino stammt, also mit Vorsicht zu genießen ist. Aber der Reihe nach: Heidi Klum, das ehemalige Supermodell, begrüßte die knapp 2.500 Gäste im Konzertsaal des Kennedy Centers in einem goldglänzenden, deutlich zu engem Designerkleid, welches beim Schorschla Erinnerungen an eine feine Leberwurst im Naturdarm aus dem 24/7-Shop der Metzgerei Regus weckte. Die vermeintliche Stilikone machte damit eindrucksvoll deutlich, dass auch an Victoria-Secret-Dessous-Engeln die Zeit nicht spurlos vorbeigeht. Aber vielleicht sollte man in diesem Falle lieber froh sein, dass unsere Heidi nicht im Halloween-Kostüm moderierte. Wie auch immer: Es Schorschla hatte am Freitag leider kein Foto für diesen Auftritt.
Aber zurück zum Fußball. Beziehungsweise zu den beiden Hauptdarstellern dieser Horrorshow. Gianni und „The Don“. Der Schweizer FIFA-Chef und sein „best buddy“ klopften sich im übertragenen Sinne die Schultern blutig und schleimten sich in bisher unbekannte Höhen. Höhepunkt der Geschmacklosigkeit: Die Verleihung eines eigens für diesen Tag von der FIFA erfundenen Friedenspreises. Nachdem es mit dem Friedensnobelpreis ja – Gottseidank – nicht geklappt hatte, gab’s am Freitag eine Goldmedaille für Donald Trump. Die er sich auch sofort mit einem strahlenden Lächeln selbst über den Kopf streifte. Es Schorschla erinnerte diese Szene an die Übergabe des Seepferdchens an tapfere 5-Jährige Frühschwimmer nach ihrem ersten Sprung vom Startblock.
Aber egal. Da müssen wir einfach in heutigen Zeiten durch. Es geht nicht mehr primär um einen sportlichen Wettkampf und spannende Duelle. Es geht erst einmal um Milliarden Dollar, denn das amerikanische „Soccer“, welches in den USA bislang hinter Baseball, Basketball, Eishockey und American Football eher ein Schattendasein fristet, soll Dank dieser Spiele endlich zum einzig wahren „Football“ gebrandet werden. Und dazu braucht Herr Infantino halt seinen „Spezi Donald“. „Big business“ in Perfektion.
Julian Nagelsmann war auch vor Ort und sprach im Anschluss an die Auslosung von einer schwierigen Gruppe. Das gebührt der Respekt vor den Gegnern. In ehrlichen Worten hätte er sagen können: wenn wir gegen WM-Neuling Curacao, Ecuador und die Elfenbeinküste uns nicht für die nächste Runde qualifizieren, schwimme ich über den großen Teich zurück nach Deutschland. Aber auch so etwas sagt man besser nicht, das ist dann nicht witzig, sondern überheblich. Und ja, am Ende gab es dann noch einen versöhnlichen Moment an diesem Abend. Den Auftritt der „Village People“, der „Dorfjungs“, wie man den Bandnamen frei übersetzen könnte. Es Schorschla hat sich über dieses Wiedersehen echt gefreut. Denn erstens weckte YMCA beste Disco- und Jugenderinnerungen und zweitens zeigten die Jungs, dass in anderen Ländern Erwachsene noch das tun dürfen, was in Deutschland unter „kulturelle Anmaßung“ fällt: Cowboyhüte und Federschmuck tragen.

