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Es Schorschla: Top, die Wette gilt

Top, die Wette gilt …

Es soll also endgültig vorbei sein. Thomas Gottschalk, die blondierte Dauerwelle der Nation, ist – angeblich – von der Showbühne abgetreten. Wahrscheinlich für immer. Wobei es Schorschla da so seine Zweifel hat. Denn irgendwie ist es doch zumindest für unsere Generation, die Samstagabendunterhaltung noch als generationsübergreifenden TV-Familien-Event kennengelernt hat, eigentlich unvorstellbar. Ein Fernsehjahr ohne Gottschalk: Schlichtweg unvorstellbar. Thomas Gottschalk ist sozusagen die „Mutter der Samstagabendshow, trotz Rudi Carrell, Kulenkampf, Hans Rosenthal oder Frank Elstner. „Tommy“, der Vollblutentertainer, eckte mit seinen spontanen Sprüchen schon an, als es noch gar keine „political correctness“ gab. Für ihn waren feste Sendezeiten und Programmpläne einfach nichts wert, er überzog solange er wollte und niemand war ihm dafür böse. Es Schorschla denkt, dass das Team vom aktuellen Sportstudio nach „Wetten, dass …?“ prinzipiell eine Stunde später zum Dienst erschien.
Ja, so war er halt, der Gottschalk. Doch auch er ist alt geworden. Etwas aus der Zeit gefallen, nicht mehr so witzig, manchmal sogar etwas peinlich. Und trotzdem: Mit ihm geht nicht nur ein Moderator, sondern ein ganzer Aggregatzustand des Fernsehens. Damals, als Samstagabend noch bedeutete, dass die Welt kurz anhielt. Und dass man spätestens um 20.15 Uhr wusste, wo man zu sein hatte: auf der Couch. Der im Wohnzimmer. Nicht auf irgendeiner Plattform.

„Wetten, dass ..?“ war weniger Sendung als Staatsakt. Wenn Gottschalk die Bühne betrat, war alles möglich. Weltstars saßen im ZDF Studio, als wären sie zufällig hereingeschneit: Tom Cruise, Madonna, Michael Jackson, Robbie Williams. Und direkt daneben ein einfacher Mann, der behauptete, mit verbundenen Augen die Farben von Buntstiften am Geschmack erkennen zu können. Gottschalk hörte zu, lächelte, und sagte Sätze wie: „Ich entschuldige mich für alles, was ich gesagt habe – und für einiges, was ich noch sagen werde.“ Damit war halt alles erlaubt.

Später kam Michelle Hunziker. Frischer Wind, Lachen auf Knopfdruck, eine Co-Moderatorin, die Gottschalks Charme konterte, ohne ihm die Show zu stehlen. Hunziker brachte Leichtigkeit, Gottschalk die Erfahrung – und gemeinsam erklärten sie einer neuen Generation, wie Samstagabendfernsehen funktioniert: mit Glanz, mit Geduld und mit dem festen Glauben daran, dass jemand wirklich Schweizer Kantone am Jodeln erkennt.

Natürlich ging auch mal etwas schief. Aber selbst das wurde Teil der Legende. Gottschalk moderierte weiter, redete sich heraus, redete sich rein – und erklärte mit dem ihm eigenen Gottschalk-Lächeln: „Fernsehen ist das, was passiert, während man eigentlich etwas anderes vorhat.“ Heute wäre das ein Meme, damals war es ein Lebensgefühl.

Heute ist der Samstagabend leiser. Netflix fragt nicht „Wetten, dass …?“, sondern „Bist du noch da?“ Jeder schaut etwas anderes, zeitversetzt, allein. Kein kollektives Staunen mehr, kein gemeinsames Scheitern einer Außenwette. Niemand ruft montags: „Hast du die Buntstiftwette gesehen?!“ – weil alle etwas anderes gesehen haben. Oder gar nichts. Und Thomas Gottschalk hat aktuell wichtigeres zu tun, als andere zu unterhalten. Er muss sich um sich selbst kümmern, wozu man ihm nur alles Gute wünschen kann. Der Mann, der den Schalk nicht im Nacken, sondern im Namen trägt, ist erst einmal weg. Wie damals Hape Kerkeling. Aber er wird zurückkommen, da ist es Schorschla sich ganz sicher. Top, die Wette gilt …

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