„Mehr Zeit für mich“
Es Schorschla wundert sich immer wieder aufs Neue: Denn zum Jahreswechsel passiert Merkwürdiges: Menschen, die am 31. Dezember noch überzeugt sind, dass Käsewürfel und Currywurst ausgewogene Mahlzeiten darstellen, beschließen um Mitternacht plötzlich, ihr Leben grundlegend zu optimieren. Ab dem 1. Januar wird joggend meditiert, zuckerfrei gelächelt und selbstverständlich nur noch früh ins Bett gegangen. Gute Vorsätze – sie sind so zuverlässig wie das Silvesterfeuerwerk – und ähnlich schnell verpufft.
Ist unser Geist zu schwach? Oder geht es uns schlicht zu gut? Wahrscheinlich weder noch. Gute Vorsätze sind keine moderne Erfindung überambitionierter Kalenderkäufer. Schon die Babylonier sollen vor über 4000 Jahren zum Jahreswechsel versprochen haben, ihre Schulden zu begleichen und geliehene Ochsen zurückzugeben. Auch die alten Römer widmeten dem Gott Janus – Namensgeber des Januars – ehrbare Vorsätze. Der Unterschied zu heute: Damals gab es weder Fitness-Tracker noch Instagram, das gnadenlos dokumentiert, wie man am 12. Januar wieder im Bademantel auf der Couch sitzt.
Dass viele Vorsätze scheitern, liegt weniger an mangelnder Willenskraft als an ihrer Größe. „Ab jetzt jeden Tag Sport“ ist ein wunderschöner Gedanke, aber auch nahezu ein Vollzeitjob. Erfolgreicher sind die leisen Vorsätze.
Die Kollegin, die beschließt, jeden Morgen eine Haltestelle früher auszusteigen. Der Freund, der sich vornimmt, einmal pro Woche etwas Neues zu kochen – und dabei feststellt, dass Tiefkühlpizza nicht als neu gilt. Oder die Nachbarin, die statt „mehr Zeit für mich“ ganz konkret zehn Minuten am Tag ohne Handy einplant. Kleine Siege, große Wirkung.
Der Trick liegt darin, Vorsätze wie gute Freunde zu behandeln: realistisch, freundlich und verlässlich. Wer sich ständig beschimpft, weil er einen Tag aussetzt, wird eher trotzig als motiviert. Besser ist es, Spielräume einzuplanen. Nicht „nie wieder“, sondern „heute mal nicht“. Nicht Perfektion, sondern Richtung.
Hilfreich ist auch, Vorsätze sichtbar zu machen – sei es als Zettel am Kühlschrank oder als feste Verabredung mit sich selbst. Noch wirkungsvoller: Verbündete suchen. Gemeinsam scheitert es sich nicht nur schöner, man bleibt auch eher dran. Und manchmal reicht schon der Gedanke, dass jemand fragt: „Na, wie läuft’s mit deinem Vorsatz?“
Am Ende sind gute Vorsätze keine Beweise unserer Unzufriedenheit, sondern unseres Optimismus. Sie zeigen, dass wir glauben, Dinge verändern zu können – im Großen wie im Kleinen. Und falls es dieses Jahr wieder nicht klappt? Dann trösten wir uns mit der Gewissheit: Der nächste Jahreswechsel kommt bestimmt. Und mit ihm eine neue Chance, ein bisschen besser zu werden. Oder zumindest lustig daran zu scheitern.
In diesem Sinne bedankt sich es Schorschla zum Jahreswechsel bei allen Leserinnen und Lesern für ein weiteres Jahr „Treue“ und verspricht, auch 2026 an dieser Stelle mit Humor, Aufmerksamkeit, Respekt und gesundem Menschenverstand Woche für Woche das Leben zu kommentieren. Denn eines ist sicher: Auf uns alle warten im neuen Jahr große Herausforderungen. Bleiben Sie optimistisch, gut gelaunt und an der Seite vom Schorschla. Darauf sollten wir anstoßen. Also: Happy new year!
Natürlich ging auch mal etwas schief. Aber selbst das wurde Teil der Legende. Gottschalk moderierte weiter, redete sich heraus, redete sich rein – und erklärte mit dem ihm eigenen Gottschalk-Lächeln: „Fernsehen ist das, was passiert, während man eigentlich etwas anderes vorhat.“ Heute wäre das ein Meme, damals war es ein Lebensgefühl.
Heute ist der Samstagabend leiser. Netflix fragt nicht „Wetten, dass …?“, sondern „Bist du noch da?“ Jeder schaut etwas anderes, zeitversetzt, allein. Kein kollektives Staunen mehr, kein gemeinsames Scheitern einer Außenwette. Niemand ruft montags: „Hast du die Buntstiftwette gesehen?!“ – weil alle etwas anderes gesehen haben. Oder gar nichts. Und Thomas Gottschalk hat aktuell wichtigeres zu tun, als andere zu unterhalten. Er muss sich um sich selbst kümmern, wozu man ihm nur alles Gute wünschen kann. Der Mann, der den Schalk nicht im Nacken, sondern im Namen trägt, ist erst einmal weg. Wie damals Hape Kerkeling. Aber er wird zurückkommen, da ist es Schorschla sich ganz sicher. Top, die Wette gilt …

