Jetzt sind wir nicht mal mehr pünktlich!
Man stelle sich einmal folgende Szenerie vor: Silvester 2026, die Innenstadt Bambergs ist voller Menschen, die sich auf den Jahreswechsel freuen. Der Countdown wird aus tausenden Kehlen heruntergezählt und bei Null, also exakt zur Geisterstunde, passiert erst einmal gar nichts. Keine Leuchtkugel am Himmel, kein Goldregen, kein Korkenknallen.
Das kann nicht sein, meinen Sie? Oh doch! Denn die Deutschen nehmen es nicht mehr so genau mit der Pünktlichkeit. Dabei war das doch DIE deutsche Tugend schlechthin, neben Fleiß, Gründlichkeit, Ordnungsliebe und Pflichtbewusstsein.
Eine aktuelle repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur fördert zutage, dass nur noch 78 Prozent der Erwachsenen hierzulande „Pünktlichkeit” für „typisch deutsch” halten – beim Stichwort „Bürokratie” tun dies aktuell übrigens 89 Prozent. Vor knapp zehn Jahren lag der Wert für Bürokratie und Pünktlichkeit noch gleich hoch bei 90 Prozent.
Es ist ein echtes Generationenthema. Bei den sogenannten „Boomern“, den 61- bis 79-Jährigen behaupten rund 97 Prozent, sie seien pünktliche Menschen. Knapp 92 Prozent sind es immerhin noch in den mittleren Generationen X und Y, also den 45- bis 60- sowie den 29- bis 44-Jährigen. Blickt es Schorschla aber auf den „Nachwuchs“, die jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 28 Jahren – also der sogenannten Gen Z – sind es mit rund 81 Prozent schon deutlich weniger. Und der Wert fällt weiter in den Keller, je jünger die Befragten werden.
Interessant findet es Schorschla, dass eine Mehrheit in allen Generationen sich “oft” oder “manchmal” ärgert, weil andere Menschen unpünktlich sind. Wie kann es aber sein, dass sich so viele über die Unpünktlichkeit anderer ärgern, wenn doch fast alle in Deutschland sagen, sie seien pünktliche Menschen? „Es gibt in verschiedenen Bereichen diesen Optimismus wie hier den Zeitoptimismus, dass sich viele also immer leicht überschätzen und Dinge leichter nehmen und zum Guten hin überschätzen”, sagt der Neuropsychologe und Zeitforscher Marc Wittmann vom Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP), einem Verein und Institut mit Sitz in Freiburg.
Es Schorschla möchte an dieser Stelle auch eine Lanze für die Jungen brechen. Denn stellen Sie sich einmal vor, Sie möchten als Jugendlicher immer pünktlich sein, sind aber im Alltag auf die Bahn und öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Dann drehen sie früher oder später durch oder sie verändern ihre Prioritäten. „Dem Glücklichen schlägt keine Stunde“, heißt es doch so schön. Aber diese Lebensweisheit kommt aus einem ganz anderen Kontext. Und deshalb wünscht sich es Schorschla an dieser Stelle für 2026 viele glückliche und pünktliche Menschen in seinem Umfeld …

