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Es Schorschla: Wer immer nur moderiert, wird irgendwann ignoriert

Wer immer nur moderiert, wird irgendwann ignoriert

Grönland ist kalt. Eisig. Also richtig cool. Und damit offenbar genau das richtige Projektionsfeld für heiße Fantasien aus dem Weißen Haus. Donald Trump hat wieder einmal bewiesen, dass ihm nichts zu groß, zu teuer oder zu absurd erscheint – solange es auf einer Landkarte liegt und sich irgendwie besitzen lässt. Grönland kaufen? Warum nicht. Wenn man Manhattan entwickeln konnte, warum dann nicht gleich die Arktis. Immobilienlogik trifft Geopolitik, Quadratmeterdenken trifft Weltordnung.

Was folgt, ist fürs Schorschla inzwischen ein altbekanntes Schauspiel: Europa schaut betroffen, Brüssel formuliert „tiefe Besorgnis“, und irgendwo zwischen Kopenhagen und Berlin wird hastig erklärt, dass man das alles selbstverständlich ernst nehme. Sehr ernst sogar. Ein möglicher Bruch der NATO? Wird inzwischen nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert, sondern offen, fast routiniert. Als wäre es ein Wetterphänomen: unangenehm, aber leider nicht zu ändern. Ein Sturm aus Washington, Sieben-Tage-Regen-Stimmung in Europa.
Das eigentliche Problem ist dabei weniger Trump. Der ist aktuell, wie er immer ist: laut, selbstüberschätzt, überzeugt davon, dass die Welt eine Bühne für seinen nächsten Deal
ist. Gefährlich wird das Ganze erst durch unsere europäische Reaktion – oder besser: durch das Verweigern einer echten Reaktion.

Denn während der US-Präsident Grenzen verschiebt, rhetorisch wie strategisch, verschiebt Europa Akten und Paragraphen. Schickt 13 – oder waren es doch 15 – Vorboten ins ewige Eis.
Beim Schorschla wecken die Bilder aus Grönland Erinnerungen an „Jim Knopf und die wilde 13“. Oder Monty Pythons „Volksfront von Judäa“, die Life-of-Brian-Fans werden sich erinnern. Man reagiert, kommentiert, relativiert. Agieren? Das überlässt man anderen. Am liebsten den Amerikanern selbst, was die Sache besonders grotesk macht.

So entsteht das angekratzte Image eines Kontinents, der wirtschaftlich stark, politisch aber chronisch zögerlich ist. Europa wirkt wie ein gut ausgestattetes Schiff mit beeindruckender Mannschaft – das darauf wartet, dass jemand anderes den Kurs vorgibt. Selbst dann, wenn dieser jemand offensichtlich Richtung Eisberg steuert. Die Folge: Man wird nicht mehr ernst genommen. Nicht in Washington, nicht in Moskau, nicht in Peking. Wer immer nur moderiert, statt zu führen, wird irgendwann ignoriert.

Und Deutschland? Steht wie so oft daneben und hofft, dass sich die Lage schon irgendwie beruhigt. Historisch verständlich, politisch bequem, strategisch fatal. Natürlich dürfen wir keine Großmachtträume entwickeln. Aber zwischen Größenwahn und Selbstverzwergung gibt es einen Raum, den man selbstbewusste Politik nennt. Interessen formulieren. Grenzen setzen. Auch mal Nein sagen – und es dabei richtig ernst meinen.

Vielleicht ist Grönland am Ende gar nicht das Thema. Sondern ein Spiegel. Er zeigt, wie unsicher Europa geworden ist und wie bereitwillig wir uns von den Lautesten treiben lassen. Es wird Zeit, das zu ändern. Nicht mit martialischer Rhetorik, sondern mit Klarheit, Haltung und Mut. Gerade wir Deutschen sollten wieder lernen, aktiv aufzutreten – nicht arrogant, aber entschlossen. Denn wer ständig vor irgendwelchen Wahnsinnigen in aller Welt kuscht, darf sich nicht wundern, wenn diese irgendwann glauben, ihnen gehöre die ganze Karte.

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