Eins, zwei oder drei …
Wenn in Bamberg ein neuer Oberbürgermeister (m/w) gewählt wird, dann ist das keine schnöde Kommunalwahl. Nein, das ist fast schon Hochkultur. „Das Weltkulturerbe der Demokratie“, sagt es Schorschla gerne. Besonders 2026. Im März. Nach 20 Jahren Andreas Starke wird der OB-Sessel neu bezogen. Zwei Jahrzehnte lang saß der gebürtige Bremer dort wie ein gut alteingesessener Bamberger am geliebten Stammtisch.
Am 8. März dürfen die Bambergerinnen und Bamberger nun entscheiden, wer künftig die Schlüssel fürs Rathaus bekommt. Wobei nicht nur es Schorschla etwas auf Geduld setzt. Denn am Sonntag geht es aller Voraussicht nach erst einmal darum, wer im Titelrennen ausscheidet. Die Vorzeichen stehen in der aktuellen Konstellation komplett auf Stichwahl. Dass es eine geben wird, daran zweifelt im Grunde niemand. Denn Bamberg kann viel, aber klare Mehrheiten im ersten Wahlgang gehören eher nicht dazu. Acht Namen stehen auf dem Wahlzettel, ein Trio hat – um es olympisch auszudrücken – die Führungsarbeit übernommen. Und so werden Erinnerungen an Michael Schanze geweckt: Eins, zwei oder drei … Ihr müsst Euch entscheiden, zwei Plätze sind frei!
Da wäre zunächst Melanie Huml. CSU, erfahren, ministeriell erprobt, mit Promi-Unterstützung, die sich sehen lassen kann. Wenn die CSU ruft, kommt nicht nur der Ortsverband, sondern auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Dazu CSU-Talk unter Frauen: Huml mit Monika Gruber und Lisa Müller. Politischer Diskurs mit Glamourfaktor.
Auf der anderen Seite: Jonas Glüsenkamp von Bündnis 90/Die Grünen. Überraschungsauftritt mit Boris Palmer beim BamLit – kurzfristig, fast wie ein literarischer Flashmob. Ansonsten setzte Glüsenkamp auf Bürgerforen. Keine Berliner Prominenz, kein Kabarett, kein Ministerparadenlauf. Stattdessen Stuhlkreis, Flipchart und die ganz große Kunst des Zuhörens. Wahlkampf wie ein VHS-Kurs „Demokratie zum Mitmachen“.
Und dann ist da noch Sebastian Niedermaier. Der in Bamberg fest verwurzelte Bio-Gärtner-Meister hat in den vergangenen Wochen und Monaten ohne Zweifel ganz viele Symapthien und Pluspunkte gesammelt und erhielt zudem namhafte Unterstützung aus dem Bundeskabinett. Boris Pistorius sprach in der Konzerthalle – Verteidigungspolitik meets Regnitz. Und auch Lars Klingbeil, Finanzminister und Vizekanzler, schaute in der Domstadt vorbei.
Aktuell diskutiert man beim Bäcker, auf dem Markt, im heimischen Wohnzimmer oder beim Rauchbier mit Freunden: Wer kann’s? Wer will’s? Und wer hält sechs Jahre durch – oder länger, wenn alles richtig läuft? Darum geht es ja am Ende. Nicht um Selfies mit Ministern, nicht um literarische Überraschungsgäste. Sondern um die Frage: Wer führt Bamberg in eine erfolgreiche und lebenswerte Zukunft? Durch Haushaltsdebatten, Baustellen und die Suche nach dem letzten freien Kita-Platz?
Wie schon gesagt: Am Sonntag Abend sind nur noch zwei Personen im OB-Rennen. Zwei Wochen später folgt der Showdown in den Wahllokalen. Keine Konzerthalle, kein BamLit, keine Promi-Talkrunde. Nur Stimmzettel, Wahlurne und dieses leise Rascheln, das nach Zukunft klingt. Klar ist: Bamberg braucht eine(n) starke(n) OB.
Eins, zwei oder drei? Sie entscheiden. Und deshalb eine Bitte vom Schorschla: Gehen Sie unbedingt wählen!

