Es gibt Tage, da wirkt die Weltpolitik aufs Schorschla wie ein Presslufthammer im eigenen Vorgarten. Nehmen wir nur einmal den Auftritt von US-Vizepräsident J. D. Vance vergangene Woche in Budapest. Am Rednerpult wurde da schnell mal „Honest Don“, wie sich „Mr. President“ gerne selbst bezeichnet, angerufen. Natürlich feierte Vance Donald J. Trump und Victor Orbán als die größten Friedensstifter unserer Zeit. Der eigentliche Wahnsinn seiner Rede bestand jedoch darin, gleichzeitig die EU der Einmischung zu bezichtigen, während man selbst vor laufenden Kameras verspricht, „so gut es geht“ bei der Wahl zu helfen. Das ist ungefähr so, als würde man mit Megaphon durch die Nachbarschaft ziehen und sich anschließend über Ruhestörung beschweren.
Es Schorschla kann diese Dreistigkeiten längst nicht mehr verarbeiten. Offenbar gilt im Land der einstmals unbegrenzten Möglichkeiten inzwischen die Devise: Einmischung ist nur dann verwerflich, wenn es die anderen machen. Wenn man selbst mit Regierungsflieger und wohlgesetzten Freundschaftsfloskeln anreist, ist es hingegen gelebte Demokratiepflege. Aber es gibt auch positive Nachrichten: Geholfen hat dieses Kasperltheater auf höchster politischer Ebene gar nichts: Ganz im Gegenteil! Das ungarische Volk hat Herrn Orban nach 16 Jahren im Amt nicht nur abgewählt, sondern seinem Nachfolger Péter Magyar (45) mit einer Zweidrittelmehrheit auch das nötige Vertrauen zu echten Veränderungen im System ausgesprochen.
Während in Budapest Herr Vance gerade in den Präsidentenflieger einstieg, waberte aus Washington eine neue Geschichte „über den großen Teich“. Auch diese klingt eher nach Politthriller als nach Diplomatie. Ein Treffen im Pentagon, ein bestellter Vatikan-Botschafter, und der Tonfall irgendwo zwischen „freundlicher Hinweis“ und „wir könnten, wenn wir wollten“. Der Vatikan widerspricht, das Pentagon relativiert – und zurück bleibt ein Eindruck, der sich nicht so leicht wegkommunizieren lässt.
Im Zentrum steht dabei Papst Leo XIV., der es als Oberhaupt der katholischen Kirche gewagt hat, Krieg nicht für eine besonders attraktive Modeerscheinung zu halten. Für die US-Regierung offenbar eine Provokation. Es entsteht ein Gesamtbild, das selbst wohlmeinende Beobachter ratlos zurücklässt. Auf der einen Seite ein US-Vizepräsident, der in Europa Wahlkampf betreibt und die EU als Problem erklärt. Auf der anderen Seite Berichte über Druckversuche gegenüber der Kirche, wenn diese nicht auf Linie ist. Und über allem schwebt eine Kommunikationsstrategie, die sich irgendwo zwischen Dauerempörung und Realitätsbeugung eingerichtet hat.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe dieser Tage: Nicht, dass all das überhaupt passiert. Sondern, dass es mit einer Selbstverständlichkeit geschieht, die jede Satire überflüssig macht. Die Wirklichkeit ist längst schneller, lauter und schräger geworden als jeder Schorschla-Kommentar es je sein könnte. Am liebsten möchte man bei diesem Irrsinn lauthals los lachen, doch dazu ist die Situation einfach zu ernst. Oder anders ausgedrückt: Es ist so ernst, dass einem fast nur noch das Lachen bleibt.

