„Unzufriedenheit in diesem Maß noch nie erlebt“ – Präsident der Handwerkskammer
spart bei Bericht an die Vollversammlung nicht an Kritik – Ab Herbst startet Neubau
Die Handwerkskammer für Oberfranken erwartet von den politischen
Entscheidungsträgern eine deutlichere Fokussierung auf schnell wirksame und spürbare
Entlastungen. Dies machte der Präsident der HWK, Matthias Graßmann, in einem kritischen
Bericht an die Vollversammlung deutlich. Graßmann führte einen großen Teil der politischen
Unzufriedenheit im Handwerk darauf zurück, dass die Branche sich nicht gleichwertig ernst
genommen fühlt und durch viele politische Detailregelungen auch benachteiligt. Graßmann: „An
die rund fünf Millionen Handwerkerinnen und Handwerker bundesweit wird offensichtlich nicht
gedacht.“
Graßmann verwahrte sich in seinem Bericht gegen den Vorwurf, die Wirtschaft rede die
Stimmung nur schlecht. „Im Handwerk wird die Unzufriedenheit immer größer“, bestätigte er.
„Ich erlebe immer häufiger maximale Ablehnung oder eine maximale emotionale Distanz zur
Politik. Dies rührt daher, dass es bis jetzt keine Entlastungen für Betriebe gibt, die schnell wirken
und spürbar wären. Im Gegenteil.“ Gerade die jüngsten Reformvorschläge bei den
Sozialversicherungssystemen blieben mit Blick auf Entlastungen nicht nur hinter den
Erwartungen zurück. Sie würden auch zusätzliche Lasten für die Betriebe schaffen. „Der
Zusatzbeitrag für den kapitalgedeckten Rentenanteil, die Erhöhung der
Beitragsbemessungsgrenzen bei der Pflege- wie bei der Krankenversicherung oder die faktische
Abschaffung der sogenannten Mini-Jobs – diese Maßnahmen treffen gerade das Menschen- und
damit lohnintensive Handwerk besonders stark.“
Lob für die Regierung von Oberfranken
Bei aller Kritik an der Politik verteilte der Präsident aber auch Lob, das an die Regierung von
Oberfranken und ihren Präsidenten Florian Luderschmid ging. „Wir sehen durch euren Einsatz,
euer überragendes Engagement, dass es innerhalb der Politik und auch innerhalb der staatlichen
Verwaltung wirklich gute Leute gibt“, stellte Graßmann Luderschmid und dessen Team ein gutes
Zeugnis aus. „Wir sind dankbar für eure Unterstützung und das offene Ohr.“ Der
Regierungspräsident versprach in seinem Grußwort, akribisch zu suchen, ob und wie sich der
Freistaat bei der Finanzierung des Neubaus des Bildungszentrums Bamberg mit zusätzlichen
Landesmitteln engagieren könne. „Wir versuchen in München so viel wie möglich
herauszuholen.“ Außerdem werde auch bei der Oberfrankenstiftung bereits debattiert, wie die
HWK bei ihrem Bildungsprojekt unterstützt werden könne.
Jahresrechnung und Neubau des Bildungszentrums Bamberg
Neben dem Bericht des Präsidenten widmete sich ein großer Teil der Frühjahrsvollversammlung
der Jahresrechnung 2025 und damit der wirtschaftlichen Bilanz. Diese fiel besser aus als
erwartet, da unter anderem höhere Einnahmen aus der Überbetrieblichen
Lehrlingsunterweisung (ÜLU) und aus Meisterkursen sowie durch konsequentes
Finanzmanagement höhere Zinserträge erzielt werden konnten. In Kopplung mit den durch die
Beitragserhöhung gestiegenen Mitgliedsbeiträgen führt die HWK den Rücklagen insgesamt 3,84 Millionen Euro zu (Details siehe weiterer Bericht).
Diese Mittel gehen zu großen Teilen in die zweckgebundene Rücklage, mit der die Handwerkskammer ihren Eigenanteil am Neubau des Bildungszentrums Bamberg bestreiten muss. Der Neubau rückt nach dem Eintreffen von zwei Förderbescheiden und dem grünen Licht für den vorzeitigen Baubeginn in greifbare Nähe: Die ersten Ausschreibungen für das Projekt sind bereits veröffentlicht, im Herbst sollen die Erdarbeiten beginnen (Details siehe weiterer Bericht). Die Vollversammlung ermächtigte die HWK-Verwaltung zudem, für künftige Bau- und Ausstattungsinvestitionen insbesondere im Kontext des Neubaus des Bildungszentrums Bamberg, Kredite bis zu einem Volumen von 15 Millionen Euro aufzunehmen. Dieser Kreditrahmen ist Vorsorge, um mögliche Risiken abzudecken. Die laut Förderbescheid festgeschrieben Eigenmittel für den Neubau stemmt die Kammer aus eigener Kraft.
Mit Anja Wimmer zweite Frau in den Vorstand gewählt
Zudem wurde mit der Diplom-Stahlbauingenieurin Anja Wimmer eine zweite Frau in den Vorstand gewählt. Die Nachwahl war notwendig geworden, da der bisherige Kreishandwerksmeister von Forchheim, Christian Jaklin, Ende April überraschend mit 60 Jahren verstorben ist. Aus der Vollversammlung ausgeschieden ist der Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung Forchheim, Erwin Held. Für ihn rückt sein Stellvertreter Markus Schmidt in das Parlament des Handwerks nach.
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