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Home»Politik & Wirtschaft

Deindustrialisierung Oberfrankens setzt sich fort

By Bernd Oelsner Politik & Wirtschaft Keine Kommentare3 Mins Read6. August 2026
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Energiewende-Barometer der IHK: Betriebe verlagern ins Ausland

Jedes vierte Mitgliedsunternehmen der IHK für Oberfranken Bayreuth verlagert Kapazitäten ins Ausland oder plant diesen Schritt. In der Industrie ist es sogar jedes dritte Unternehmen. Nach Einschätzung der IHK ist dies nicht zuletzt eine Folge der aktuellen Energiepolitik.

„Solange die Energiepreise international zu den höchsten gehören und unsere Unternehmen durch überbordende Bürokratie, langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie fehlende Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik ausgebremst werden, wird es auch keine Trendwende geben“, macht Dr. Michael Waasner deutlich, Präsident der IHK für Oberfranken Bayreuth.

Wettbewerbsfähigkeit unter Druck
35 Prozent der befragten Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsfähigkeit durch die Energiewende negativ beeinflusst, 26 Prozent bewerten die Auswirkungen positiv.

„Die hohen Ausgaben für Strom und Gas bremsen viele Unternehmen bei ihren Investitionen aus, erklärt Johannes Neupert, Energiereferent der IHK für Oberfranken Bayreuth. 28 Prozent der Unternehmen schieben Investitionen in ihren Kernprozesse auf, 23 Prozent Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen, 11 Prozent Investitionen in Forschung und Innovation. 43 Prozent der Befragten sehen aufgrund der hohen Energiepreise sogar die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens am Standort Deutschland gefährdet. „Was heute nicht investiert wird, fehlt morgen an Substanz, so Neupert.


Sparen gehört längst zum Alltag
Trotz aller Belastungen zeigt die Umfrage auch, wie sehr der sparsame Umgang mit Ressourcen längst zur DNA der Unternehmen gehört. Bei 96 Prozent der Unternehmen ist die Bedeutung von Energieeinsparungen im vergangenen Jahr gestiegen oder mindestens gleichgeblieben. Effizienz ist für unsere Betriebe längst Alltag, nicht erst seit der aktuellen Debatte, ordnet Neupert ein. Gleichzeitig spüren 42 Prozent der Unternehmen stärkere Schwankungen bei den Energiepreisen als noch vor einem Jahr, was Planung und Kalkulation erschwert.

IHK fordert Tempo und Verlässlichkeit
Als größte Hindernisse bei ihren Transformationsbemühungen für mehr Klimaschutz sehen die Unternehmen bürokratische Hemmnisse (70 Prozent), langsame Planungs- und Genehmigungsverfahren (58 Prozent) und fehlende Planbarkeit und Verlässlichkeit in der Energiepolitik (51 Prozent), hinzu kommen eine schwierige Finanzierung und hohe Energiepreise. Jedes zehnte Unternehmen wird bei seinen Transformationsbemühungen zudem durch den Fachkräftemangel ausgebremst.

„Wenn über zwei Drittel unserer Unternehmen die Bürokratie und über die Hälfte langsame Genehmigungsverfahren als größte Hemmnisse nennen, liegt die Verantwortung klar beim Staat. Genau dort muss die Politik jetzt ansetzen und deutlich schneller werden“, macht Dr. Waasner deutlich.

Soll die Energiewende gelingen, muss vor allem der Staat nachlegen
Wenn Energiewende und Klimaschutz sicher, bezahlbar und umweltverträglich gestaltet werden sollen, fordern 91 Prozent der Befragten eine höhere Priorisierung und Verlässlichkeit beim Ausbau der Energieinfrastruktur und 69 Prozent ein stärkeres finanzielles Engagement des Staates beim Aufbau zukunftsorientierter Infrastruktur. Mit Blick auf die Energieeffizienz setzen 78 Prozent der Unternehmen auf Freiwilligkeit und Technologieoffenheit als auf neue Vorgaben. Unsere Unternehmen wollen keine neuen Regulierungen. Sie wollen verlässliche Leitplanken, mehr Technologieoffenheit und schnellere Genehmigungen, macht Dr. Waasner deutlich.

Jedes dritte Industrieunternehmen verlagert Produktion ins Ausland
Jedes dritte befragte Industrieunternehmen hat inzwischen nicht zuletzt aufgrund der Energiepolitik Kapazitäten ins Ausland verlagert, plant diesen Schritt oder setzt ihn gerade um. Zwischen 2019 und 2025 sind in Oberfranken bereits gut 15.000 Arbeitsplätze in der Industrie verloren gegangen.

Der IHK-Präsident warnt eindringlich vor den Folgen: „Wenn Unternehmen vermehrt Kapazitäten ins Ausland verlagern, setzt sich die Deindustrialisierung fort. Das dürfen wir nicht zulassen. Jeder weitere Arbeitsplatz, der in der Industrie verloren geht, schwächt unsere Region auf Jahre. EU, Bund, Land und Kommunen müssen deshalb jetzt handeln, mit weniger Bürokratie, schnelleren Genehmigungen und verlässlichen Rahmenbedingungen für Investitionen. Sonst verlieren wir irgendwann so viel Substanz, dass dieser Trend unumkehrbar wird“, warnt Dr. Waasner.

Hintergrund
Für das Energiewende-Barometer 2026 hat die IHK-Organisation im Juni deutschlandweit rund 3.100 Unternehmen befragt, darunter auch 72 aus dem Einzugsbereich der IHK für Oberfranken Bayreuth. Das Barometer bildet die Stimmung der Betriebe zur Energiewende und ihren wirtschaftlichen Folgen ab. Die Befragung wird seit 2012 einmal im Jahr durchgeführt.

Symbolfoto: AdobeStock.com

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