Man gönnt sich ja sonst nichts: Millionen fließen in eine Zukunft, in der das Alter angeblich nur noch eine unbedeutende Zahl darstellt. Es Schorschla googelt bei Langeweile immer mal wieder Bryan Johnson, das bekannteste Gesicht der Longevity-Bewegung. Der 48-jährige US-Amerikaner „schenkt“ der Welt täglich neue Beweise dafür, dass der Traum vom unsterblichen Ich mit jeder Kapsel, jedem Bluttest und jedem zeitlich optimierten Abendessen nur noch teurer wird. Und dann, mitten in dieser Suppe der Selbstoptimierung, begegnet ihm eine Unheilsbotschaft: Vor wenigen Tagen wurde bei Johnson eine Autoimmungastritis diagnostiziert – eine chronische Erkrankung des Magens, für die es bislang keine Heilung gibt. „Sein Magen fresse sich selbst auf“, schreibt Johnson auf „X“ und gibt sich kämpferisch. Er werde versuchen, das zu lösen. „Ich freue mich über meine Diagnose“, erklärt er gegenüber dem „Stern“. Für ihn beginne jetzt der eigentliche Kampf: Nachdem er das Altern bereits verlangsamt habe, wolle er nun Krankheiten besiegen, die bislang als unheilbar gelten.
Ja, die Biologie hat eine eigene Agenda, die sich nicht in Diagrammen abtippen lässt. Johnson schneidert sich einen Körper, der kaum noch Überraschungen zulässt: pflanzliche Kost, tausend Pillen,
Blutplasma vom Sohn, Protokolle für nächtliche Erektionen als Vitalzeichen, kein Alkohol, keine Reisen.
Es Schorschla kann bei diesem vielleicht fehlgeschlagenen Gesundheitskult dieses ausgeflippten US-Unternehmers nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. Denn Johnsons Geschichte erinnert daran, dass die größte Langlebigkeit vielleicht die Fähigkeit ist, sich nicht ständig zu optimieren, sondern regelmäßig zu genießen: Freundschaft, Kindheitserinnerungen, eine Nacht im Nichtstun, ein Lächeln, das sich nicht in eine Tabelle pressen lässt. Die Biologie lässt sich nicht überlisten, auch nicht mit ganz viel Geld. Das musste leider auch schon Apple-Gründer Steve Jobs leidvoll erkennen. Das Leben ist nicht flexibel wie ein Programmierfehler, es ist unberechenbar, launisch, wunderlich. Und genau darin liegt ja auch sein Reiz.
Statt Geld in die Suche nach Unsterblichkeit zu investieren, sollten wir uns lieber auf Geschichten konzentrieren, die uns daran erinnern, wie selten und kostbar das Hier und Jetzt ist. Denn der größte Irrsinn ist nicht der Glaube an ein ewiges Ich, sondern der Glaube, man könne es sich durch Disziplin, Messinstrumente und starre Pläne verdienen. Wer das versteht, hat schon den ersten Schritt getan: Die Freude an der endlichen, unberechenbaren Gegenwart zu feiern!
