„Bamberg und Bier passen einfach perfekt zusammen“
Heute im Gespräch: Bierliebhaber und Buchautor Dr. Christian Fiedler
Es ist die Pflichtlektüre für alle, die das Bamberger Bier lieben und es nicht nur trinken und genießen, sondern auch verstehen möchten. Vergangene Woche präsentierte Dr. Christian Fiedler im Brauereimuseum am Michaelsberg die inzwischen 5. Auflage von „Die wahre Hauptstadt des Bieres“. Über 300 Fotos und Abbildungen, viele davon erstmals veröffentlicht, vermitteln eindrucksvoll die reiche Tradition des Bamberger Brauwesens. Sorgfältig recherchiert und mit vielen wunderbaren Geschichten: Dieses Werk verbindet Fachkenntnis mit lebendiger Erzählkunst. Es ist Nachschlagewerk, Lesebuch und Schatztruhe zugleich – und ein unverzichtbares Stück Bamberger Kulturgeschichte. Das WOBLA nutzte die Gelegenheit zu einem kurzen Interview mit dem Bierliebhaber und -experten Dr. Christian Fiedler.
WOBLA: Woher kommt bei Dir die Leidenschaft fürs (Bamberger) Bier?
Dr. Christian Fiedler: Bamberg und Bier passen einfach perfekt zusammen, und als Bamberger trinke ich natürlich gerne auch das eine oder andere Glas. Aber was mich immer fasziniert hat, ist die lange Geschichte dahinter: Wann wurde in Bamberg erstmals Bier gebraut? Wie hat sich das Brauwesen hier entwickelt? Und was wurde aus den vielen alten Brauereien, die in unserer Stadt einst Bier hergestellt haben? In meinem Buch beschreibe ich die Historie aller 81 Braustätten, die es in Bamberg in den vergangenen 200 Jahren gegeben hat. Darunter befinden sich Gasthäuser mit so tollen Namen wie Goldener Löwe, Weiße Taube, Prinz Karl, Kleebaum oder Polarbär. Und viele Bürgerinnen und Bürger können sich noch an Brauereien wie Maisel, Löwenbräu oder Hofbräu erinnern. Das Buch lässt diese Unternehmen nochmals aufleben. Und natürlich werden auch die Brauereien beschrieben, die in Bamberg heute Bier brauen.
Wieviel Arbeit steckt hinter der Recherche eines derartigen Buches?
Tatsächlich beschäftige ich mich seit 2003 intensiv mit diesem Thema, so dass der Inhalt des Buches das Ergebnis einer über 20 Jahre dauernden Recherche ist. Allein in der jetzigen Auflage stecken rund fünf Jahre Arbeit. Die meisten Quellen dazu habe ich im Bamberger Stadtarchiv gefunden. Besonders wertvoll war auch das Lesen von alten Tageszeitungen, die teilweise über 200 Jahre alt waren.
Was waren für Dich die schönsten Momente bei der Recherche?
Alte Unterlagen zu lesen ist oft sehr zeitaufwändig. Manchmal sucht man stundenlang vergebens – aber wenn man dann fündig wird, dann ist das jedes Mal ein tolles Erfolgserlebnis. Den schönsten Moment aber hatte ich bei der Suche nach einer historischen Aufnahme einer alten Brauerei, der Bärenbräu auf dem Jakobsberg. Ich habe monatelang nach Nachfahren des letzten Besitzers gesucht und bin dann auf eine Urenkelin gestoßen, die heute in Kalifornien lebt. Schnell war das nächste Urlaubsziel gefunden, und ich habe die alte Dame in Santa Barbara besucht, die mir die historischen Aufnahmen aus Bamberg zur Verfügung stellte.
Drei Dinge, die jeder Bamberger über die wahre Hauptstadt des Bieres wissen muss!
Erstens: Weltweit einzigartig ist die große Anzahl an Brauereien und die Vielfalt der Biere in unserer Region. Zweitens: Die Einbettung der Brauereigaststätten und Bierkeller in das historische Stadtgefüge sind für Bierliebhaber einmalig. Und drittens: Die enge Verzahnung von Brauereien, Mälzereien und einer Brauereimaschinenfabrik machen Bamberg zu einem unverwechselbaren „Bierotop“.
Als neuer Alt-Bamberger zum Abschluss: Wo trinkst Du am liebsten Dein Feierabend-Bierchen?
Nun, jede Bamberger Brauerei hat ihre eigene Bier-Spezialität, die ich alle gerne trinke – sei es im Sommer auf dem Keller oder in der Gaststätte. Am häufigsten anzutreffen bin ich sicherlich in der Brauerei Spezial in der Oberen Königstraße, weil das die authentischste Braustätte Bambergs ist. Und das Rauchbier vom Fass schmeckt mir ganz wunderbar.
Mehr Infos zum Buch gibt es unter www.bamberger-bier.de.

