Es Schorschla ist bereit!
… und es ist Sommer
Es Schorschla ist glücklich. Als es am Sonntag morgen etwas verschlafen auf sein Handy blickte, stand da in großen Buchstaben: SOMMERZEIT! Da war die verlorene Stunde aus der Nacht schnell vergessen, allein die Vokabel sorgte für ein Wohlfühlklima im Daunenbett. SOMMERZEIT. Klingt das nicht nach blauem Himmel? Meeresrauschen und Sandstrand? Freibad, Eisschlecken und Bierkeller? Ja, viel zu lange beherrscht in unseren Breitengraden der trübe Herbst- und Winteralltag das Geschehen. Morgennebel und Dauergrau in Murmeltiertag-Dauerschleife – das kann schon zermürben. Gerade Januar und Februar sind für Badenixen und Sonnenanbeter eine mentale Herausforderung. Aber jetzt geht’s „nauswärts“. Endlich. Es Schorschla ist bereit!
Wobei es auf der anderen Seite auch etwas erschreckend ist. Das erste Quartal 2025 ist bereits um. Die Zeit rennt. Eben haben wir noch das neue Jahr mit Raketen und Silberregen begrüßt, da meldet sich schon wieder das Finanzamt bei den Selbstständigen. Die Quartals-Vorauszahlung der Einkommenssteuer ist zum 10. April wieder fällig. Wahnsinn. Ein schwacher Trost sind da die überlieferten Worte Plinius des Jüngeren, seines Zeichens römischer Senator und Schriftsteller: „Jede Zeit ist umso kürzer, je glücklicher sie ist.“
Aber zurück zur Sommerzeit, beziehungsweise zur Zeitumstellung an sich. Ein Mal im Jahr drehen wir die Zeiger nach vorne und einmal wieder zurück und seit der Einführung dieser Regelung fragen sich die Bürger, wem dieses Prozedere letztendlich nutzt. Am 06. April 1980 wurden in West- und Ostdeutschland erstmals die Uhren eine Stunde vorgestellt. Man versprach sich davon eine deutliche Energieeinsparung. Ein heeres Ziel, welches aber bis heute unter Experten heiß diskutiert wird.
Übrigens: Im Jahr 1895 hielt der Postbeamte George Vernon Hudson (1867-1946), der in seiner Freizeit Insekten sammelte und astronomische Studien betrieb, im neuseeländischen Wellington einen Vortrag, in dem er anregte, am Frühlings- und Herbstbeginn die Uhrzeit so zu verändern, dass die Arbeitsstunden mit dem Tageslicht zusammenfallen. Er war damit der Erste, der eine tatsächliche, offizielle und auch nicht unbedingt nur auf den Sommer beschränkte Umstellung der Uhren forderte.
Die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) gilt bis zum 26. Oktober. Wie lange dieses jährliche Zeigerdrehen noch weitergehen wird, ist ungewiss. Eigentlich hatten sich die Europäer in einer Umfrage bereits 2018 ja mehrheitlich dafür ausgesprochen, sich auf eine Zeit zu einigen. Die Frage seither ist nur: Auf welche? Die polnische EU-Ratspräsidentschaft teilt aktuell mit, sich informell unter Mitgliedstaaten umzuhören, um herauszufinden, ob es noch möglich ist, den Vorschlag voranzutreiben. Eine Sprecherin sagte aber auch, man sei sich bewusst, dass der Vorschlag bisher nur eine begrenzte Unterstützung durch die Mitgliedstaaten erfahren habe. Gut Ding will bekanntlich Weile haben. Und so bleibt eben vorerst alles beim alten. Oder um noch einmal in die Zitate-Kiste zu greifen: „Ich habe keine Zeit, mich zu beeilen“, erklärte Anfang des 20. Jahrhunderts der russische Komponist und Dirigent Igor Strawinsky.